Klaus Michael Beier vom Netzwerk "Kein Täter werden" hilft pädophil veranlagten Menschen, ihr Verhalten zu kontrollieren. Er setzt auf Prävention statt Ausgrenzung.

Die Bilder sind schnell verfügbar - über das Internet, Medium Nummer eins für kinderpornografisches Material. Pädophil veranlagte Menschen - fast ausschließlich Männer - tauschen sich in einschlägigen Foren aus. Anonym und schnell. Pädophile, das sind Menschen, die eine "sexuelle Ausrichtung auf das kindliche Körperschema haben", sagt Klaus Michael Beier, Leiter am Standort Berlin des Netzwerks "Kein Täter werden" und Direktor am Institut für Sexualwissenschaft an der Charité Berlin.

Selbstkontrolle und Therapie

Seit zehn Jahren hilft er Menschen mit einer solchen Orientierung in diesem Projekt. Mittlerweile gibt es Standorte in ganz Deutschland. Und mittlerweile haben über 5000 Personen Kontakt zum Netzwerk aufgenommen und einige Hundert eine Therapie begonnen. So wie Alex*, der auf der Seite des Projekts berichtet:

"Ich will gar nicht erst in Versuchung geraten, mir Kinderpornografie anzugucken. Die Therapie soll mich dabei unterstützen ein Leben zu führen, ohne jemals einen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen."
Alex*, Name anonymisiert

Nicht jeder Pädophile ist ein Täter - und nicht jeder Missbrauch an Kindern wird von Pädophilen begangen. Beier will den Männern, die zu ihm kommen, helfen, ihr Verhalten zu kontrollieren. Das ist alles, was er tun kann, sagt er. Doch das sei schon viel. Bestenfalls gelingt das mit einer Therapie, wenn notwendig zusätzlich mit Medikamenten.

"Wir setzen auf präventive Maßnahmen, weil wir ja wissen, die Betroffenen wissen um ihre Problematik und sie sind gefährdeter als andere, Übergriffe zu begehen oder Missbrauchsabbildungen zu nutzen."
Klaus Michael Beier vom Netzwerk "Kein Täter werden"

Tatsächlich merken Betroffene schon im Jugendalter, dass sie eine andere sexuelle Orientierung haben, sagt Beier. Und: "Keiner kann etwas für seine sexuelle Orientierung." Wie viele Pädophile es in Deutschland gibt, ist aber schwer zu sagen. Beim Berliner Projekt geht man von rund einem Prozent der männlichen Bevölkerung aus. Damit aus der Fantasie dieser Männer kein Missbrauch wird, will Beier weiter mit ihnen arbeiten.

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