Bevor manch eine Sukkulente als Dekoration in unserem Wohnzimmer endet, wurde sie dort gewildert, wo sie natürlich wächst. In Südafrika ist der illegale Handel mit den Pflanzen mittlerweile zu einem Problem für die Umwelt geworden.

Sukkulenten sind immergrün, werden als pflegeleichte Zimmerpflanze beworben und gerne mal von Pflanzenliebhabern in den Social-Media-Feed gespült. Spätestens seit sie auf Instagram, Tik Tok und Co. angekommen sind, möchten mehr Menschen eine Sukkulente auch auf ihrer Fensterbank stehen haben – besonders beliebt sind seltene Arten.

Illegaler Handel fürs Ausland

Die Nachfrage ist in Europa und Asien gerade so hoch, dass der legale Handel mit den Bestellungen kaum nachkommt. In den Wüstengebieten Südafrikas führt das dazu, dass die Pflanzen dort illegal ausgegraben werden.

Besonders betroffen ist die Provinz Nordkap im Nordwesten des Landes. In der trockenen Gegend wachsen insgesamt mehr als 6000 Pflanzenarten, darunter auch Tausende verschiedene Arten von Sukkulenten. Ihre Vielfalt dort ist immens, sagt Katherine Forsythe von der Umweltschutzorganisation WWF in Kapstadt. "Es gibt Hügel, da existieren Arten, die nur auf diesem Hügel leben. Zu jeder dieser Arten gehören auch bestimmte Insekten oder andere Tiere."

Natürlich gewachsene Arten besonders beliebt

Manche von ihnen lassen sich in Gärtnereien oder zu Hause nachziehen. Andere Arten wachsen nur dort, wo sie natürlich vorkommen. Sie sind fester Teil ihres Ökosystems und brauchen die Art von Boden, Sonneneinstrahlung oder Wasserversorgung, die sie in den Wüstenlandschaften vorfinden.

Diese natürlich gewachsenen Pflanzen sind unter Sammlern allerdings besonders gefragt und gelten deswegen als wertvoll, sagt Brent Whittington vom Richtersveld Nationalpark.

"Es sind überwiegend Sammler, die Exemplare aus der Natur haben möchten. Pflanzen, die in kontrollierter Umgebung aus Samen gezogen werden, sind nicht so wertvoll."
Brent Whittington, Manager Richtersveld Nationalpark

Wilderer graben die Pflanzen in den entlegenen, bergigen Wüstenlandschaften wie im Richtersveld Nationalpark dann einfach aus.

Mittlerweile ist die Wilderei dort ein so starkes Problem, dass Karel du Toit, der Leiter der Abteilung für Tierdiebstahl und gefährdete Arten in der Polizeistation in Springbok, sie als gefährdet ansieht. Auch Umweltschutzorganisationen warnen davor, dass bestimmte Arten für immer verloren gehen könnten.

Die Wilderer kommen laut Karel du Toit aus der Gegend. Sie graben die Pflanzen auf Bestellung – oft aus Asien – aus. Weil die Arbeitslosigkeit dort hoch sei, finde sie immer jemand, der die Aufträge annimmt. Im Anschluss würden die Pflanzen ins Ausland verkauft.

"Keine Pflanze wird in Südafrika verkauft – sie gehen alle ins Ausland."
Karel du Toit, Leiter der Abteilung für Tierdiebstahl und gefährdete Arten in der Polizeistation Springbok

Dort werden sie dann als dekorative Trend-Pflanzen vermarktet. Ob die Sukkulenten eingetopft in einem deutschen Wohnzimmer überleben, ist eine andere Frage, sagt Katherine Forsythe vom WWF. Sie empfiehlt, darauf zu achten, dass die Sukkulente in einer Gärtnerei hochgezogen wurden, die auf einen nachhaltigen Anbau setzt.