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Weihnachten sei grundsätzlich ein Spreading-Event, sagt Wissenschaftler Thorsten Lehr, der sich mit Pandemie-Modellen beschäftigt. Er plädiert dafür, dass wir unsere Kontakte noch eine ganze Weile maximal beschränken.

Die aktuelle zweite Welle der Infektionen mit Covid-19 in Deutschland ist hartnäckig. Das Niveau liegt seit Tagen zwischen täglich 18.000 und 19.000 Neuinfektionen und damit weit über den Zahlen im Frühjahr. Zwar ist kein rascher Anstieg mehr zu beobachten, ein ganz klarer Trend in die andere Richtung allerdings auch nicht (Stand 25.11.2020).

Beschlossen heißt nicht umgesetzt

Thorsten Lehr betont, wie wichtig es ist, zwischen beschlossenen Maßnahmen und ihrer tatsächlichen Umsetzung zu unterscheiden. Er lehrt klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes und forscht intensiv zu Pandemie-Modellen und Verbreitungssimulationen.

"Letztendlich ist das einzige Gebot bis die Impfung da ist: Die Kontakte so weit reduzieren, dass wir die Infektionen wieder in den Griff bekommen."

Grundsätzlich sei Weihnachten ein Spreading-Event mit intensivem Infektionsgeschehen. Das sei von der Untersuchung des Übertragungsgeschehens bei der Grippe bekannt. Er hofft auf Feiertage mit wenigen Kontakten und möglichst viel Abstand.

"Mein Appell wäre, dass wir uns an Weihnachten wirklich zurücknehmen und beim engsten Kreis beruhen lassen."

Mit der Situation im Frühjahr sei der aktuelle Lockdown-Light nicht vergleichbar. Thorsten Lehr sagt: "Da muss man einfach in die Fußgängerzone gehen, um festzustellen, dass wir jetzt ein anderes Bild vorfinden."

Fünfziger-Inzidenz als Ziel

Er rechnet vor: Wenn es gelänge, die durchschnittliche Zahl der Kontakte noch einmal um ungefähr 20 Prozent zu reduzieren, wäre ein R-Wert von ungefähr 0,8 erreicht. Im Ergebnis kämen also Ende des Jahres gegen Weihnachten immer noch 60 bis 70 Neuinfektionen pro sieben Tage, pro 100.000 Einwohner heraus. Vom Ziel der Fünfziger-Inzidenz wären wir noch recht weit entfernt.

Eine Rückkehr zur gesellschaftlichen Normalität werde es auch zum Jahresbeginn nicht gegeben, sonst sei dann unmittelbar mit einer dritten Welle der Covid-19-Pandemie zu rechnen.

"Auch im neuen Jahr kann es nicht normal weitergehen. Das muss jedem bewusst sein."