Wahrscheinlich haben die wenigsten von uns noch Aktien der Pleitebank Lehman Brothers bei sich zu Hause rumliegen. Schade eigentlich, denn bei Ebay würden sie uns wahrscheinlich noch ziemlich viel Kohle einbringen. Tatsächlich gibt es Sammler, die Interesse daran haben.

Viele traurige ehemalige Anleger von Pleitefirmen werden in diesen Tagen wieder einigermaßen glücklich, denn ihre wertlosen Schrottpapiere können sie bei Ebay verkaufen. Der Schlüssel zum gescheiterten Anleger-Glück sind Menschen, die den wertlosen Kram sammeln: Sogenannte Scripophilisten. Diese Menschen sammeln unter anderem Aktien, Anleihen und Optionsscheine.

"Ein Scripophilist sammelt alte wertlose Aktien, Anleihen, Optionsscheine - sogenannte Nonvaleurs."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte hat im Netz Zertifikate der Lehman Brothers von 1965 für knapp 100 Dollar gefunden. Oder Bonds von Lehman zum Preis von rund 50 EUR. Ebenso lassen sich noch Original-Lehman-Brothers-Mousepads für 17,99, oder Original-Lehman-Baseballkappen für 280 Dollar verkaufen.

Der Markt scheint verrückt zu sein. Papiere der amerikanischen Investment Bank Bear Stearns, die ebenfalls in der Finanzkrise pleite gegangen ist, kosten 395 Dollar. Das heißt, für Aktien von Firmen, die es nicht mehr gibt, bekommt man noch Geld.

Schrottpapier-Auktionen haben lange Tradition

Seit den 1970er-Jahren gibt es Auktionen für Sammler solcher wertlosen Papiere. Damals lief das alles noch offline - inzwischen hat sich der Handel zu Ebay verlagert oder zu speziellen Portalen wie Scripophily.com.

Firmen sind tot oft wertvoller als lebendig

Ein Händler für solche Pleite-Aktien aus Virginia hat dem Wirtschaftsportal Bloomberg gesagt: Gefloppte Firmen seien tot oft wertvoller als lebendig.

Gute Beispiele seien der ehemalige US-Energieriese Enron. Hier gingen die Aktien an der Börse zum Schluss für zwei Dollar über den Tisch. Als die Firma pleite war, zahlten Scripophilisten hunderte Dollar für eine Aktie.

Aber auch gescheiterte Trump-Firmen stünden hoch im Kurs - beispielsweise die gescheiterte "Trump Hotels & Casino Resorts Inc."-Aktie.

"Ein wunderbar erhaltenes Exemplar mit dem Konterfei eines jungen frisch geföhnten Donald Trump von 1999 wurde bei Ebay für 800 Dollar angeboten - und ist mittlerweile verkauft."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Warum Menschen, so viel Geld für wertlose Papiere ausgeben, bleibt wohl ein Rätsel. Viele Abnehmer kommen offenbar aus China. Möglicherweise sammeln sie diese Papiere wie andere Menschen Briefmarken - und sie haben dann einen Wert als Sammlerstück, oder die Zertifikate sind aus wirtschaftsgeschichtlicher Sicht interessant. Oder, wie im Fall der wertlosen Donald-Trump-Aktien: Vielleicht sind es auch einfach Fans mit viel Geld.