Instagram ist die flauschigste Nische in den Sozialen Medien: hübsche Fotos, schöne Menschen, bunte Filter, nichts tut weh. Das könnte sich ändern, denn Instagram wird immer politischer. 

Politiker haben Instagram ja längst als Imagebuilding-Werkzeug entdeckt. Das nutzen sie allerdings meist nicht gerade gut, meint die Autorin und Moderatorin Sophie Passmann, die als politische Influencerin gilt. 

"Politiker machen, mit ganz wenigen Ausnahmen, einen ganz grauenvollen Job im Internet."
Sophie Passmann, Autorin und Moderatorin

Derzeit aber ist auf der Plattform noch eine andere Form der Politisierung zu beobachten, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rebekka Endler: politische Äußerungen, Aufrufe für die Demokratie und gegen rechte Hetze – die Influencer auf Instagram posten mehr und mehr Politik.

Trend zu politischer Positionierung auf Instagram

Das bestätigt auch Sophie Passmann: Im Moment gebe es einen Trend dahin, dass Leute, die sich eigentlich nicht oft politisch äußerten, jetzt Aussagen machten wie etwa, dass sie es in Ordnung finden, wenn Geflüchtete nach Deutschland kommen.

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Dabei sei es egal, ob das der Vorstandschef eines Fußballvereins oder ein Schlagerstar sei - es reiche eine einfache Äußerung und sich zu positionieren. 

"Wir können es uns nicht mehr erlauben, unpolitisch zu sein und dürfen nicht mehr wegschauen."

So wie beispielsweise Maria Astor, alias Masha, eine Modebloggerin mit nahezu 200.000 Followern, die die Vorkommnisse in Chemnitz in einem Insta-Post als Angriff auf die demokratische Gesellschaft bezeichnete.

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Auch der Sozialwissenschaftler Bendix Hügelmann stellt eine Politisierung auf Instagram fest. Er arbeitet gerade an seiner Promotion zu politischer und digitaler Kommunikation an der Universität Hamburg. Er könne bestätigen, erzählt er Rebekka, dass es immer mehr Influencer gebe, die weniger ihre Reichweite nutzten, um einer Marke Gehör zu verschaffen, sondern, um gewissen politischen Strömungen ein größeres Sprachrohr zu geben.

"Es gibt immer mehr Influencer, die ihre Popularität dafür einsetzen, gewissen politischen Strömungen ein größeres Sprachrohr zu geben."

Instagram, sagt Bendix Hügelmann, ist als Soziales Medium auch ein Spiegel dessen, was draußen in der Welt passiert. Und die Welt politisiere sich und kommentiere mehr, auch auf Instagram. Für Sophie Passmann sind es aber nicht die User, die ab und zu mal ein Statement abgeben, die Instagram politischer machen, sondern jene, die den gesamten politischen Prozess mit Kontinuität betrachten.

Über Instagram erreichen die Absender politischer Botschaften eine junge Zielgruppe und können ihre Anhänger mobilisieren, erklärt Bendix Hügelmann.

"Instagram ist nicht nur geeignet, um eine junge Zielgruppe zu erreichen. Instagram eignet sich ganz hervorragend, um die eigenen Anhänger zu mobilisieren."
Bendix Hügelmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg

Instagram eignet sich eben nicht nur, um Leuten Shampoo, Nagellack oder Smoothies zu verkaufen, sondern auch politische Ideen und Bildung. Sophie Passmann: "Wenn der Mensch, den man seit Ewigkeiten folgt, sagt: 'Freunde, jetzt ist ein Punkt gekommen, jetzt müssen wir auf die Straße gehen!', dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein gewisser Teil, der sich mit diesem Menschen identifiziert sagt: 'Ja, da gehe ich mit!'"

"Political Influencer erreichen nur diejenigen, die sich eh für ihre Themen interessieren."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rebekka Endler über Political Influencer auf Instagram

Allerdings bekommt nicht jeder User automatisch diese Politisierung mit. Denn anders als bei anderen Sozialen Medien sehen wir auf Instagram nur Content, den Menschen posten, denen wir folgen. Und Werbung. Aber suchen lohnt sich, wenn ihr an Politik interessiert seid. Es gibt zahlreiche wirklich gute Accounts von Leuten, die über Politik posten, findet Rebekka, man muss ihnen nur folgen.