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Lana ist Polizistin in Neukölln. Der Berliner Bezirk ist ein sozialer Brennpunkt und für die Polizeioberkommissarin zum Zuhause geworden. Vor allem liebt sie die Nachtschichten.

"Ich wohne in Neukölln und ich gehe auch nachts auf die Straße", sagt Lana Atakisieva. Es ist nicht so, wie vielleicht manche meinen, dass man dann abgeknallt wird." Die Vorstellung ist für die Polizistin abwegig. Seit 2016 ist sie in Neukölln auf Streife und hat sich mit dem Job als Polizistin einen großen Wunsch erfüllt.

"Neukölln ist rau, authentisch, tolerant."
Lana Atakisieva

Im Jahr 2002, damals war Lana 15 Jahre alt, ist sie mit ihrer Schwester und ihrer kranken Mutter nach Deutschland gekommen. Zuvor hat die Familie in Baku gelebt, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Zuerst ging es ins eher bürgerliche Zehlendorf. "Dort haben wir uns fremd gefühlt" sagt Lana. "In einem komplett fremden Land ohne Deutschkenntnisse, mit einer kranken Mutter und in einer finanziell schwierigen Situation, das hat uns vor große Herausforderungen gestellt."

Die Familie zog schließlich nach Neukölln. "Hier haben wir uns willkommen gefühlt." Lana lernt Deutsch, absolviert die Schule, lernt schwimmen und macht schließlich auch die Aufnahme-Prüfungen für den Polizeidienst.

"Für die sportliche Prüfung musste ich noch schwimmen lernen.".
Lana Atakisieva

Ihre Erfahrungen hat Lana nun in einem Buch veröffentlicht: "Nachtschicht in Neukölln". Am Polizeidienst mag sie eben vor allem die Nächte. Kein Berufsverkehr, leere Straßen und reichlich zu tun. Am Ende einer solchen Schicht ist die Liste mit den absolvierten Einsätzen insbesondere am Wochenende eher lang: Schlägereien, Körperverletzung, häusliche Gewalt, Diebstähle. "Wenn wir Menschen helfen konnten, ist das ein gutes Gefühl", sagt sie.

Die Vorbildfunktion erfüllen

Gerade ihre eigene Migrationsgeschichte helfe auch immer wieder in bestimmten Situationen – sprachlich und kulturell. "Dabei fände ich es nicht gut, wenn in sozialen Brennpunkten nur Polizist:innen mit Migrationshintergrund eingesetzt würden", so Lana. Denn nur, wenn Menschen sehen würden, dass Beamt:innen mit und ohne Migrationsgeschichte gut zusammenarbeiten würden, würde die Vorbild-Funktion auch wirklich erfüllt.

Erfahrungen mit Rassismus oder Rechtsradikalismus vonseiten der Kolleg:innen habe sie nie erfahren. Dabei ist das Problem von rechtsradikalen Chatgruppen, etwa wie in Berlin oder in Essen, ein Thema unter den Beamt:innen. "Ich finde gut, wenn darüber gesprochen wird." Nur dann könne sich etwas ändern.

Im Deep Talk mit Sven Preger spricht Lana Atakisieva über die Einsätze, die man nicht so schnell vergisst, über Neukölln bei Nacht und darüber, warum sie überhaupt Polizistin werden wollte.