Songschreiberinnen arbeiten oft im Hintergrund. Obwohl sie mit ihren Kompositionen großen Popstars zum Erfolg verhelfen, bekommen sie wenig vom Gewinn ab. Eine Gruppe von Songschreibern aus den USA kritisiert diese Praxis.

Justin Tranter, Emily Warren, Ross Golan oder Amy Allen sind Namen, die vermutlich die wenigsten kennen. Ihre Arbeit hingegen haben viele wahrscheinlich schon einmal gehört: Sie sind die Songwriterinnen und Songwriter hinter den Charterfolgen von Popstars wie Lady Gaga, Britney Spears, One Direction, Shawn Mendes oder auch Selena Gomez.

Unter dem Namen "The Pact" haben sich die Songschreiber aus den USA zusammengeschlossen und möchten mit einem offenen Brief Druck auf die Musikindustrie ausüben. Diese würde Songwriterinnen und Songwriter wie sie zunehmend unfair behandeln und ausbeuten, so die Gruppe.

Die Arbeit von anderen als die eigene ausgeben

Ein Vorwurf: Die Sängerinnen und Interpreten fordern zunehmend ein, namentlich in den sogenannten Credits aufgeführt zu werden, obwohl sie das Lied nicht selbst geschrieben hätten, sondern eben eine andere Person.

Dass viele große Künstlerinnen und Künstler ihre Lieder ganz oder teilweise von Songwriterinnen schreiben lassen, ist in der Musikindustrie gängig. Wenn der Name des Stars vorne groß auf dem Albumcover abgebildet ist, steht der Name der Songwriter oft auf der Rückseite im Kleingedruckten, wo auch das Label genannt wird.

Diese Credits machen deutlich, wer den Song tatsächlich komponiert hat und sichern der Person damit die Autorenrechte an dem Lied – bringen also Geld. Platzieren Künstlerinnen und Künstler ihren Namen dort auch, verdienen sie damit mehr Geld, obwohl sie unter Umständen für keine einzige Verse von dem Songtext verantwortlich sind, sondern der Songschreiber. Der würde als Folge weniger Lohn für seine tatsächliche Arbeit bekommen.

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Solche Forderungen von Künstlerinnen und Musiklabels hat Martin Haller auch schon mitbekommen. Er ist Musiker und arbeitet für verschiedene Künstler als Songwriter. Max Giesinger zählt zum Beispiel zu einem seiner bekannten Klienten. Er selbst wurde bislang noch nicht gefragt, seine Autorenrechte abzugeben, sagt er. Trotzdem stehe er als Songwriter meist am untersten Ende der Gagenlisten.

"Ich gehe einen Tag ins Studio und dafür kriege ich gar nichts. Wenn der Song herauskommt, werde ich im Nachhinein über die Urheberrechtseinnahmen daran beteiligt."
Martin Haller, Musiker und Songwriter

Anders als viele freiberuflich Arbeitende bekommt Martin für seine Arbeit keinen Tagessatz, sondern wird mit einem Anteil der Urheberrechtseinnahmen bezahlt, wenn der Song dann veröffentlicht ist, erklärt er.

Geld erst nach Veröffentlichung

Das Geld für seine Arbeit erhält er also erst im Nachhinein. Läuft der Song im Radio, bringe der zwar viel Geld ein, von dem bekäme Martin aber nur einen kleinen Teil ab. Im Verhältnis zum Aufwand kann das umgerechnet oft weniger als der Mindestlohn sein, so der Songwriter. Und manchmal würde seine Gage komplett ausbleiben.

Songwriting: Zu wenig Geld zum Leben

Vom Songwriting alleine könne man die Miete nicht bezahlen, sagte auch Justin Tranter gegenüber der BBC. Er schreibt Songs für Stars wie Lady Gaga und hat den offenen Brief von The Pact ebenfalls unterschrieben. Sie fordern daher eine faire Entlohnung für geteilte Autorenrechte.

Manche Songwriterinnen würden mittlerweile auch eine feste Gage für das Schreiben und die Komposition eines Liedes aushandeln, so Justin Tranter, oder verlangen einen Bonus sobald der Song eine bestimmte Anzahl an Streams erreicht hat.

Andere würden auf einen Teil der Tantiemen setzen und hoffe, anteilig für jeden Verkauf oder Download des Songs Geld für ihre Arbeit zu bekommen. Schlussendlich sei es Verhandlungssache.