Besonders günstig ist die Bahn schon lange nicht mehr, auch das Wochenendticket nicht. Jetzt wird es abgeschafft. Nicht so schlimm für den Fahrgastverband Pro Bahn. Das Unternehmen operiere ohnehin am Limit. Mehr Kunden würden das Problem noch verschärfen.

Für 15 Mark zu fünft in Regionalzügen quer durch Deutschland – pro Person also für 3 Mark. Gültigkeit: 36 Stunden ab Samstag um 00:00 Uhr. 1995 führte die Deutsche Bahn das Wochenendticket ein. Viele Millionen Menschen stiegen damit in die Bahn. Knapp sieben Millionen Karten wurden allein im Jahr 2000 verkauft. Am 08.06.2019 ist Schluss. Der Preis hat sich allerdings in der Zwischenzeit etwa Verzehnfacht und die Leistung wurde verringert. Die Bahn begründet das Ende mit mangelnder Nachfrage und der Vereinfachung der Tarifstruktur.

Von 1,50 Euro zu 15,20 Euro

Seit Dezember 2017 kostet das Ticket für eine Person 44 Euro, bis zu vier Reisende können für jeweils 6 Euro zusätzlich mitfahren. Vergleichbar ist allerdings das Quer-durchs-Land-Ticket – und das bleibt. Es kostet 44 Euro für Alleinreisende, plus 8 Euro für jeden Mitfahrer. Es gilt an einem Tag ab 9 Uhr bis 3 Uhr am Folgetag, also nur 27 Stunden. Bei fünf Reisenden kostet es pro Person 15,20 Euro – verglichen mit umgerechnet 1,50 Euro pro Person zu Beginn des Angebots im Jahr 1995, bei kürzerer Geltungsdauer.

Detlef Neuß ist Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Er sagt, dass ihm und seinem Verband beim Quer-durchs-Land-Ticket auch die Möglichkeit fehlt, den Nahverkehr zu nutzen. Er schlägt außerdem vor, dass die Bahn Tickets für einzelne Bundesländer anbietet, bei denen weitere Bundesländer hinzubuchbar sind.

"Das Quer-durchs-Land-Ticket hat fast den gleichen Leistungsumfang, hat nur den Nachteil, dass es in Verbünden und großen Städten nicht möglich ist, das Ticket für Straßenbahnen und Busse zu nutzen."
Detlef Neuß, Bundesvorsitzender Pro Bahn

Detlef Neuß würde ein verglichen mit Fernbussen und Mitfahrzentralen konkurrenzfähiges, also sehr günstiges Ticketangebot der Bahn sehr begrüßen - wenn genug Platz für die Reisenden wäre. Dass zum Beispiel die Bundesregierung das Ziel ausgegeben habe, die Fahrgastzahlen der Bahn bis 2030 zu verdoppeln, ist für Detlef Neuß nämlich reine Utopie. Er erinnert an die massiven Kapazitätsprobleme, die die Deutsche Bahn besonders im Berufsverkehr und an den Wochenenden hat. Die Bahn brauche eine bessere Infrastruktur.

"Das Schöne-Wochenend-Ticket ist eigentlich Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Wenn man jetzt wieder so ein ganz günstiges Ticket auf den Markt bringt, steht zu befürchten, dass die Leute nicht mitkommen."
Detlef Neuß, Bundesvorsitzender Pro Bahn