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"Ich bin, wie ich bin, und das ist gut so" - diese Einstellung wünschen sich viele. Psychologe Michael Tomoff erklärt, warum wir trotzdem so selbstkritisch sind, und gibt Tipps, wie wir mit mehr Selbstakzeptanz leben können.

Zu schüchtern, nicht gut genug vorbereitet, nicht liebenswürdig: Wir überhäufen uns meistens mit Selbstkritik. Selbstakzeptanz, das müssen wir lernen, sagt auch der Psychologe Michael Tomoff: "Ich glaube, das ist was, womit Menschen nicht geboren werden. Wir alle gehen einen langen Weg, bis wir da sind."

"Manche kommen nie weg von dem großen Harmoniebedürfnis, es allen Recht machen zu wollen, außer sich selber."
Michael Tomoff über die Ursprünge unserer Selbstkritik

Die meisten Menschen sehnen sich nach Sicherheit und klären diese immer wieder mit ihrem Umfeld ab, indem sie sich Bestätigung holen, erklärt der Psychologe weiter. Dabei würden wir uns aber oft auch selbst im Weg stehen, weil wir viel Selbstkritik üben und eher auf die Meinung des Gegenübers achten.

Menschen, die eine selbstakzeptierende Einstellung haben, seien dagegen mit sich selbst im Reinen, so Michael Tomoff: "Diese Menschen zeichnet aus, dass sie sich immer wieder die Frage stellen: Wie geht es mir denn vielleicht auch ohne diese Bestätigung des Gegenübers?" So würden sie selbst bestimmen, was für sie Erfolg bedeutet.

Vier Möglichkeiten, mehr Selbstakzeptanz zu üben

1. Von anderen lernen

Eine der besten Möglichkeiten Selbstzufriedenheit zu üben, ist laut Michael Tomoff, sich mit Menschen zu umgeben, die bereits Selbstakzeptanz leben. "Menschen, die möglicherweise auch mal einen ehrlichen Satz heraushauen", fügt der Coach hinzu. Es gehe dabei eben nicht darum, Tatsachen zu beschönigen, um dem Gegenüber zu gefallen. "Je mehr man von anderen sieht, dass das gut funktionieren kann, sowohl geradeheraus etwas zu sagen und bei den Fakten zu bleiben, aber auch nett und respektvoll zu bleiben, desto mehr gewöhnt man sich daran, das auch zu tun."

2. Selbstironie kann helfen

Auch Selbstironie kann eine große Rolle spielen – "weil es leichter ist, sich selber auf die Kappe zu nehmen, als wenn andere dich belächeln." So werde man lockerer und nehme Kritik von anderen entspannter an. Das gelinge aber nicht allen.

3. Auf die Fakten schauen

Michael Tomoff empfiehlt auch eine faktenbasierte Reflexion: Meistens versuchen wir anderen zu gefallen, weil wir negative Konsequenzen befürchten. In so einer Situation kann eine Liste mit den Folgen, vor denen man Angst hat, helfen. "Dann kannst du aufschreiben, wie wahrscheinlich das ist", sagt der Coach. So könnten wir relativ sicher herausfinden, dass diese Folgen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht eintreten.

4. Angstgefühle eingestehen

Schließlich könnte wir unser Angstgefühl auch konfrontieren und versuchen, es auszuhalten, ohne uns dabei abzulenken. "Gefühle brauchen im Schnitt 90 Sekunden, um sich auszubreiten, und dann sind die wieder weg." Diese Konfrontation bräuchte zwar Übung, weil wir instinktiv versuchen, Schmerzgefühle zu vermeiden, sagt der Psychologe. Wenn uns das aber gelinge, dann würde das der negativen Emotion ihre Wucht nehmen.