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In der Champions League ist am Dienstag (08.12.) das Spiel zwischen Istanbul Basaksehir und Paris St. Germain abgebrochen worden. Der Vierte Schiedsrichter am Spielfeldrand soll sich während des Spiels rassistisch geäußert haben. Die Diskussionen sind in vollem Gange.

Schon in der vierzehnten Spielminute war das Spiel vorbei, berichtet Maximilian Rieger aus der Deutschlandradio-Sportredaktion. Nach einem Foul des Pariser Innenverteidigers Presnel Kimpembe hatte sich am Spielfeldrand ein Rudel aus Spielern und Betreuern gebildet. Bei der emotionalen Diskussion hat sich Pierre Webo, der kamerunische Co-Trainer von Istanbul Basaksehir, offenbar in seiner Wortwahl vergriffen.

Vorwurf gegen den vierten Offiziellen

Daraufhin hat Sebastian Coltescu, der vierte Offizielle aus Rumänien, der das Geschehen an und neben der Seitenlinie unter Kontrolle halten soll, dem Hauptschiedsrichter Ovidiu Hategan über Funk das Signal gegeben: Dieser Mann muss vom Platz. Der eigentliche Eklat war die Wortwahl, die er dabei für die Beschreibung von Pierre Webo genutzt haben soll: Mehrfach soll das Wort "negro" gefallen sein.

Coltescu sagte, er habe das Wort "negru" benutzt, es bedeutet auf rumänisch "schwarz". Das Wort "negro", wie Webo es wahrgenommen hat, habe er nicht benutzt. Fest steht: Coltescu hat Webo über dessen Hautfarbe definiert.

"Negru heiß auf rumänisch schwarz. Also selbst das wäre rassistisch."
Maximilian Rieger, Deutschlandradio-Sportredaktion

Pierre Webo bekam wegen unsportlichen Verhaltens die Rote Karte gezeigt. Danach ging es aber erst richtig los: Er ging den vierten Schiedsrichter an und wiederholte immer wieder die Sätze: "Why you say negro? You can't say negro!"

"Dieser schwarze Typ da"

Auch Demba Ba, ein Ersatzspieler von Istanbul, stieg in die Diskussion ein und erklärte Sebastian Coltescu: "Würdest du einer weißen Person die rote Karte geben, würdest du auch nicht sagen 'der weiße Typ da'. Warum sagst du dann 'dieser schwarze Typ da'?" Nach zehn Minuten Diskussion verließen beide Mannschaften geschlossen den Platz – und kamen auch nicht wieder zurück.

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#NoToRacism trendet

In den sozialen Medien ist das Thema weit oben. Der Hashtag "#NoToRacism" – mit dem die UEFA wirbt – trendete gestern Abend auf Twitter. Dass sich ein Offizieller auf so einer Ebene so in der Wortwahl vergreift, sei ein bis jetzt einzigartiger Vorfall, sagt Maximilian Rieger.

"Dass sich ein Schiedsrichter auf so einer Ebene so in der Wortwahl vergreift, ist ein bis jetzt einzigartiger Vorfall."
Maximilian Rieger, Deutschlandradio-Sportredaktion

Dafür, dass die Spieler ein Zeichen gesetzt haben, dass sie mit diesem Schiedsrichterteam nicht weitermachen wollen, gibt es viel Solidarität im Netz. Das Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe) sieht darin ein wichtiges Signal: Viele Fußballprofis seien die halbherzigen Maßnahmen leid. Wenn Offizielle nicht mit ihrem eigenen Verhalten Standards setzen könnten, dann könne man sich auch als Spieler nicht darauf verlassen, das sie mit Rassismus auf dem Platz oder auf der Tribüne umgehen können.

Auch die französische Sportministerin hat die starke Symbolik begrüßt – und der türkische Präsident Erdogan, der sehr enge Verbindungen zu Istanbul Basaksehir hat, schrieb auf Twitter: "Wir sind bedingungslos gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport und in allen Lebensbereichen."

"Für die Uefa unglaublich heikel"

Das Spiel wird nun am Mittwoch (09.12.2020) um 18.55 Uhr fortgesetzt. 77 Minuten wird es dauern – und von einem neuen Schiedsrichtergespann geleitet werden. Die Uefa hat angekündigt, den Vorfall gründlich aufzuarbeiten.

Dass dem vierten Offiziellen als Vertreter eines Verbandes, der mit #NoToRacism wirbt, so etwas passiert, sei für die Uefa "natürlich unglaublich heikel", sagt Maximilian Rieger. Denn das lasse die Kampagne ins Leere laufen und werfe viele Fragen auf: Was hat die Uefa eigentlich getan, außer das Thema in einer Kampagne zu verbreiten? Hat es zum Beispiel Antirassismus-Workshops für Schiedsrichter gegeben? Wenn ja, warum kommt es dennoch zu solchen Vorfällen?