Die Astronautin Samantha Cristoforetti war 200 Tage im All und weiß, wie sich die Schwerelosigkeit anfühlt, beziehungsweise was sie mit dem Körper macht – auch nach der Rückkehr zur Erde.

Während eines längeren Aufenthalts im Weltraum entwickelt sich in der Schwerelosigkeit ein alternatives Gleichgewichtssystem. Unsere Organe verstärken Reize, die von Augen und Tastorganen kommen. Das haben Forschende aus Russland und Belgien herausgefunden. Damit will der Körper offenbar widersprüchliche Informationen über die Umgebung vermeiden, glauben die Forschenden. Auf der anderen Seite waren die Hirnregionen stärker aktiv, die Informationen der Sinnesorgane geordnet verarbeiten.

Samantha Cristoforetti ist gebürtige Italienerin und war in 2014 und 2015 für rund 200 Tage auf der internationalen Raumstation. Damit stellte sie für Frauen einen neuen Rekord auf. Wir haben mit ihr über die Auswirkungen ihrer Zeit in der Schwerelosigkeit gesprochen.

Das Wackeln nach der Rückkehr

Sie sagt, dass der Gleichgewichtssinn unmittelbar nach der Rückkehr tatsächlich völlig durcheinander ist. Normales Gehen ist ihr schwer gefallen – auch wegen der veränderten Gewichtsgefühls. Nach der Rückkehr fühlte sie sich ziemlich schwer.

"Ich hatte bei den ersten Schritten, das war wahrscheinlich eine Stunde nach der Landung, das Gefühl, dass mein Körper ein riesengroßer Felsen war."
Samantha Cristoforetti, Astronautin, arbeitete rund 200 Tage auf der ISS

Der Gleichgewichtssinn sei eigentlich am vierten Tag nach der Landung subjektiv wieder in Ordnung gewesen. Als die Astronautin dann aber einen Test des Vestibularsystems, des Gleichgewichtorgans also, absolvierte, musste sie feststellen, dass sie mit ihrer subjektiven Einschätzung daneben lag.

Eine Kraftleistung für das Herz

Dazu musste sie auf einer vibrierenden Plattform mit geschlossenen Augen bestimmte Übungen machen und verlor prompt das Gleichgewicht. Bei der nächsten Wiederholung des Tests in größerem zeitlichen Abstand zur Landung, sei das Ergebnis aber unauffällig gewesen.

Neben dem Gleichgewichtssinn habe sich ihr Aufenthalt im Weltraum auch stark auf das kardiovaskuläre System ausgewirkt. Ihr Kreislauf war am stärksten betroffen.

"Ich habe gemerkt, dass in den ersten Tagen nach der Rückkehr mein Puls immer erhöht war. Das Herz muss sich wieder daran gewöhnen, gegen die Schwerkraft zu arbeiten."
Samantha Cristoforetti, Astronautin, arbeitete rund 200 Tage auf der ISS

Die Auswirkungen von Langzeitaufenthalten im Weltraum auf den Menschen sind immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. So widmete sich erst Anfang August eine Studie den Folgen dauerhafter, niedrig-dosierter Strahlung. Astronautinnen und Astronauten sind ihr im Alls ausgesetzt.