Chinas Raumstation Tiangong-1 wird zwischen Ende Dezember 2017 und Februar 2018 unkontrolliert in die Erdatmosphäre eintreten. Der Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen weiß, ob uns der Himmelspalast auf den Kopf fallen könnte. 

Vor sechs Jahren hat China seine erste Raumstation ins All geschickt. Sie heißt Tiangong, der Himmelspalast. Nur zweimal haben chinesische Astronauten die Module in der Umlaufbahn besucht. Insgesamt war der Palast im Himmel nicht einmal vier Wochen bewohnt. 

Seit 2013 ist die Station verwaist. Seitdem kreist sie auf ihrer Umlaufbahn um die Erde. Aber nicht mehr lange. Denn in den nächsten Monaten wird das Ding Richtung Erde stürzen. Und das irgendwo zwischen Spanien und Australien. 

Warum der Himmelspalast ungesteuert runterkommt 

Zuletzt vor knapp zwei Jahren haben die Chinesen die Bahnhöhe von Tiangong angehoben. Danach brach offenbar der Funkkontakt ab und die Chinesen haben keine Kontrolle mehr über die Station. Nun ist sie allein den Kräften der Natur ausgesetzt. Und deshalb ist klar: Sie wird auf die Erde stürzen. 

Die Raumstation sackt durch die Reibung mit der Atmosphäre immer weiter nach unten. 

"Sie sackt im Moment mit gut zehn Kilometern pro Monat ab. Je tiefer sie kommt, desto stärker ist die Reibung."
Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen über das Absinken der Raumstation

Wenn die Station nur noch 150 Kilometer hochfliegt, wird die Luft dicker und damit die Reibung immer stärker. Und Reibung verursacht Wärme. Die Module der Raumstation heizen sich auf. Dadurch brechen Solarzellen oder andere dünne Teile ab. Dann beginnt die Station zu glühen und zerbricht in viele Stücke. Ein großer Teil davon verglüht an Ort und Stelle. Einige Trümmerteile schaffen es dennoch, ihren Weg Richtung Erde fortzusetzen. Der Absturz dieser Teile dauert dann nur wenige Minuten. 

Kühlschrankgroß und mit 400 Sachen unterwegs 

Die Station ist acht Tonnen schwer und die Module sind ziemlich massiv. Gut zwei, drei Tonnen Material dürften die Hitze überstehen und mit rund 400 Kilometern pro Stunde einschlagen, sagt Dirk Lorenzen. 

"Die größten Brocken - wahrscheinlich so groß wie ein Kühlschrank - schlagen ordentlich ein mit 400 Kilometern pro Stunde."
Dirk Lorenzen über die Größe der Trümmerteile

Diese Trümmer verteilen sich in einem Bereich, der etwa 50 Kilometer breit und 500 Kilometer lang ist. Die chinesische Station kreist auf einer Bahn, die über Gebiete zwischen 43 Grad nördlicher und südlicher Breite führt. Deutschland bekommt sicher nichts ab. Theoretisch kann sie aber jeden Ort dazwischen treffen. In Europa sind also zum Beispiel Portugal, Spanien, Süditalien und Griechenland gefährdet. Und es ist theoretisch möglich, dass Trümmer in Manhattan niedergehen oder über Sydney.  

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand verletzt werden könnte, liegt bei eins zu einer Million. Aber grundsätzlich kann das natürlich passieren. Bei Schäden durch abstürzende Teile ist das Weltraumrecht der Vereinten Nationen eindeutig: Es haftet der Staat, der den Satelliten oder die Rakete gestartet hat. 

Wöchentlich kommt ein bisschen Müll aus dem All runter 

Im Schnitt stürzt etwa einmal pro Woche Weltraummüll ab. Heute (09.11.2017) Nachmittag tritt wieder ein Raketenstück in die Atmosphäre ein. Das nehmen wir kaum wahr und es ist noch nie jemand zu großem Schaden gekommen