Eigentlich ist es dort ganz gemütlich: in Berlin, wo Shai und Paulina leben und viele so denken wie sie selbst. Doch sie wollten aus ihrer Filterblase ausbrechen und mehr über "den Osten", die DDR und die Menschen außerhalb Berlins erfahren. Deshalb sind sie mit dem "Bus der Begegnung" losgefahren. 

Ein rubinroter, alter Doppeldeckerbus ist 14 Tage lang durch Deutschland gefahren. 20 parteilose, junge Menschen, wollten kurz vor der Bundestagswahl mit den unterschiedlichsten Leuten sprechen. Paulina ist eine von ihnen. Sie hat pro Station fünf bis sechs intensive Gespräche geführt. Mit Menschen, die anders denken als sie.

Im Bus der Begegnung
© Magdalena Bienert | Deutschlandfunk Nova
Das Team (von links) im Bus der Begegnung: Paulina, Julia, Shai, Justine.

Ihre Videotagebücher in den sozialen Medien zeigen, wie Menschen im Bus Kaffee trinken und erklären, warum sie die AfD wählen. Auch wenn Shai Hoffmann und sein Team nicht zum Missionieren angetreten sind, können sie nicht immer nur friedlich zuhören und keinen Diskurs anstoßen, sagt Deutschlandfunk Nova-Reporterin Magdalena Bienert. 

Shai Hoffmann hatte zum Beispiel eine Begegnung mit jemanden, der aus Protest die AfD wählt. Schließlich konnte er ihn davon überzeugen, es nicht zu tun – hätte der Protestwähler nicht schon seine Stimme am Vortrag per Briefwahl abgegeben. 

"In unserem Alltag kommen wir meistens nur mit Menschen in Kontakt, die uns in unseren Meinungen bestärken. Dadurch kommen wir aber nicht weiter, weil wir nicht wissen, was denken Menschen außerhalb der Blase."

Auch Paulina hat einen Mann getroffen, der die AfD wählen will. Sie konnte ihm zeigen, dass die AfD seine Probleme nicht lösen wird. "Am Ende ist er aufgestanden und hat gesagt: Ok, dann muss ich mir das echt nochmal überlegen." 

Solche Geschichten zeigen zwar, dass es wohl eher "Bus der Überzeugung" heißen müsste. Trotzdem findet Deutschlandfunk Nova-Reporterin Magdalena Bienert, dass die Idee funktioniert: Die Teilnehmer und Besucher haben erfolgreich ihre Filterblase verlassen.