Wenn schon menstruieren, dann doch bitte so, dass es keiner mitbekommt. Soll ja niemand durch den Anblick von Blut belästigt werden. Oder den Geruch. Ganz zu schweigen vom Geschmack! Spätestens hier bewegen wir uns auch in der so aufgeklärten westlichen Welt wieder Richtung Tabuzone.

Der letzte mediale Aufschrei zum Thema Menstruationsblut ist erst wenige Wochen her. Die chilenische Künstlerin Rupi Kaur hatte auf ihr Instagram-Profil ein Bild hochgeladen, das ziemlich schnell von den Betreibern der Plattform gelöscht wurde. Angeblich entsprach es nicht den allgemeinen Richtlinien. Darauf zu sehen war die Künstlerin, im Bett liegend mit einer Jogginghose auf der ein Blutfleck zu sehen war. Offensichtlich Menstruationsblut.

100.8k Likes, 15.8k Comments - rupi kaur (@rupikaur_) on Instagram: "thank you @instagram for providing me with the exact response my work was created to critique. you..."
thank you @instagram for providing me with the exact response my work was created to critique. you deleted a photo of a woman who is fully covered and menstruating stating that it goes against community guidelines when your guidelines outline that it is nothing but acceptable. the girl is fully clothed. the photo is mine. it is not attacking a certain group. nor is it spam. and because it does not break those guidelines i will repost it again. i will not apologize for not feeding the ego and pride of misogynist society that will have my body in an underwear but not be okay with a small leak. when your pages are filled with countless photos/accounts where women (so many who are underage) are objectified. pornified. and treated less than human. thank you. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀ ⠀ this image is a part of my photoseries project for my visual rhetoric course. you can view the full series at rupikaur.com the photos were shot by myself and @prabhkaur1 (and no. the blood. is not real.) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀ i bleed each month to help make humankind a possibility. my womb is home to the divine. a source of life for our species. whether i choose to create or not. but very few times it is seen that way. in older civilizations this blood was considered holy. in some it still is. but a majority of people. societies. and communities shun this natural process. some are more comfortable with the pornification of women. the sexualization of women. the violence and degradation of women than this. they cannot be bothered to express their disgust about all that. but will be angered and bothered by this. we menstruate and they see it as dirty. attention seeking. sick. a burden. as if this process is less natural than breathing. as if it is not a bridge between this universe and the last. as if this process is not love. labour. life. selfless and strikingly beautiful.

Die Löschung des Fotos hatte die Künstlerin bewusst mit einkalkuliert. Sie wollte zeigen: nackte Frauen, Brüste - kein Problem. Aber Menstruationsblut? Nein, das geht zu weit. Ein Tabubruch. Und auch Buchautorin und Journalistin Mithu Sanyal bestätigt:

"Wir dürfen menstruieren, aber es soll niemand riechen, niemand sehen oder auch niemand schmecken, wenn wir unsere Periode haben."

Es gibt sie also noch, die Tabuzonen beim Thema Menstruation. Auch hier in der aufgeklärten westlichen Welt. Natürlich sind wir heute weiter als unsere Großeltern, die zum Teil noch gelernt hatten, dass sie während der Regelblutung keine Milch anfassen dürfen, weil die sonst sauer wird. Und inzwischen wissen wir auch: Menstruationsblut ist nicht giftig. Zumindest nicht giftiger als irgend ein anderes Blut.

"Bis ins 20. Jahrhundert galt auch Periode noch als schuldmindernd bei einem Verbrechen, da musste man kürzer ins Gefängnis."
Mythen rund um die Periode halten sich hartnäckig, sagt Mithu Sanyal

Ursprünglich gab es mal ein positives Menstruationstabu. Denn Menstruationsblut ist das einzige Blut, das wir sehen, ohne dass eine Verletzung sichtbar ist. Von daher galt Menstruationsblut als etwas Besonderes, etwas Heiliges. In dieser Zeit haben sich Frauen von der Gesellschaft zurückgezogen, weil man glaubte, sie hätten dann eine besondere Verbindung zur Jenseitswelt. Kamen sie in die Gesellschaft zurück, galten sie als rein und wiedergeboren.

Der Umkehrschluss, dass Frauen während ihrer Monatsblutung unrein oder schmutzig seien, ist allerdings unzulässig, erklärt Mithu Sanyal. Da haben sich einfach ein paar Dinge "unerfreulich verquickt". So hieß das deutsche Wort "rein" ursprünglich mal "ausscheiden" und hatte gar nichts mit Schmutz zu tun.