Uiuiui - es geht alles so schnell. Zu schnell. Immer mehr, schneller, weiter. Woran es liegt, dass wir unsere Gegenwart als stete Beschleunigung erleben, hat der Soziologe Hartmut Rosa in seinem Buch "Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne" erklärt. Und damit die Frage aufgeworfen: Wie kommen wir raus aus dem Hamsterrad?

Darum geht es in seinem Vortrag "Resonanz - eine Soziologie des guten Lebens", den er am 27. Februar 2017 auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung in Berlin gehalten hat. Die den Grünen nahestehende Stiftung veranstaltet in loser Abfolge die Vortragsreihe "Auf der Höhe - Diagnosen zur Zeit": Die Veranstalter erstellen ein alphabetisches Verzeichnis aktueller Themen - und nun ist das R dran, R wie Resonanz.

"Die Steigerungslogik ist systematisch angelegt in dieser Form kapitalistischen Wirtschaftens."
Hartmut Rosa, Soziologe, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Rosa sagt, unsere Gesellschaft ist auf "Reichweitenvergrößerung" angelegt. Das ist an sich gar nichts Schlechtes. Als ausgezeichneter Redner findet er Bilder und Beispiele, die jede/r verstehen kann. Denkt an Eure eigene technisierte Reichweiten-Vergrößerung: Fahrrad, Moped, Führerschein. Zack - das ist Weltreichweite!

"Handle jederzeit so, dass Deine Weltreichweite größer wird!"
Hartmut Rosa, Soziologe, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wenn aber alles beschleunigt und verdichtet wird, kann es sein, dass diese Beschleunigung als Zumutung erlebt wird. Die Welt ist in jeder Hinsicht zum Greifen nah - aber sie verstummt. An dieser Stelle kommt die Resonanz ins Spiel. Was ist Resonanz? Wo und wie wirkt sie? Das erklärt Rosa in seinem Vortrag, mit dem er zu einer Resonanz-Revolution aufrufen will.

"Es gibt wabernde Ideen eines charismatischen, mimetischen, erotischen, auratischen Weltverhältnisses. Das, was diese Alternativideen auf den Punkt bringt, so behaupte ich, das ist die Idee der Resonanz!"
Hartmut Rosa, Soziologe, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Hartmut Rosa redet ungefähr doppelt so schnell wie andere Menschen und offenbar sind auch seine Gedanken hochverdichtet. Aber er überfährt sein Publikum nicht, sondern er reißt es mit sich. 50 Minuten Hörvergnügen! 

Auch die Diskussion gibt's zum Nachhören

Nach dem Vortrag gab es eine gute, kritische Diskussion mit dem Publikum - direkte Resonanz also. Hier könnt ihr sie nachhören:

Peter Siller, Heinrich-Böll-Stiftung, Moderator der Publikumsdiskussion nach dem Vortrag
"Was liegt am Grund unserer Existenz?"