Kleine Geheimnisse können einer Beziehung gut tun. Wenn ihr zum Beispiel heimlich Schokolade esst, muss das der Partner oder die Partnerin nicht unbedingt wissen. Eine Balance zwischen Nähe und Autonomie zu finden, sei sehr wichtig, sagt Psychotherapeut Wolfgang Krüger.

Kleine Geheimnisse können gut für die Beziehung sein, so das Ergebnis einer Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Journal of Consumer Psychology. Demnach haben 90 Prozent der Befragten angegeben, dass sie in ihrer Beziehung etwas geheim halten würden. Das sei auch völlig in Ordnung, sagt Buchautor und Psychotherapeut Wolfgang Krüger.

"Wenn ich Vegetarier bin, aber trotzdem gelegentlich heimlich eine Wurst esse oder eigentlich Anti-Alkoholiker bin, aber irgendwann heimlich einen Schnaps trinke, ist das völlig normal."
Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor

Heimlich die gemeinsame Lieblingsserie allein zu schauen, Wurst zu essen, obwohl beide sich vegetarisch ernähren - es gibt viele "kleine Sünden", die wir begehen und die völlig normal sind, sagt der Psychotherapeut.

Großzügiger wegen des eigenen schlechten Gewissens

Diese "kleinen Sünden" seien sogar gut für eine Beziehung. Denn wenn wir eine Kleinigkeit verheimlichen, bekommen wir ein schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle. Im Ausgleich sind wir dafür bereit, mehr in die Beziehung zu investieren. So formulieren es die Forschenden in ihrer Studie.

Zum Beispiel revanchieren wir uns in Form von großzügigen Geschenken oder auch mehr Kompromissbereitschaft. Das wiederum würde der Partnerschaft zu Gute kommen, ist eine Schlussfolgerung der Untersuchung.

"Kleine Sünden" nicht übertreiben

Wolfgang Krüger warnt allerdings, dass wir Flunkereien nicht zum Dauerzustand in einer Beziehung werden lassen sollten, denn insgesamt sei ein schlechtes Gewissen kein guter Motivator. Schließlich sei es ein negatives Syndrom. Als Alternative nennt er positive Motivatoren: Lebensfreude, Hoffnung, Ziele und Aktivitäten.

Hingegen sei ein schlechtes Gewissen immer zweischneidig und etwas, das auf Dauer nicht helfe. "Es kann manchmal ein bisschen eine Sache unterstützen, ist aber nie wirklich etwas Tragendes für eine Liebesbeziehung."

Grenze: Große Sünden

Deswegen zieht der Experte auch eine eindeutige Grenze, wenn es um ganz grundsätzliche Fragen wie dem gemeinsamen Leben in einer Beziehung geht. Absolute No-Gos sind Fremdgehen, Spielsucht oder Krankheiten, die wir verschweigen. Solche Fälle können eindeutig beziehungsgefährdend sein, erklärt Wolfgang Krüger.

"Es gibt die Essentials in einer Partnerschaft, in denen es um die wesentlichen Bereiche und die gemeinsame Zukunft geht. Wenn ich das nicht erzähle, löst das die Partnerschaft auf Dauer auf. 
Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor

Laut Wolfgang Krüger ist das Geheimnis einer guten Beziehung eine Balance zwischen Nähe und Autonomie. Das gelte für die heutige Zeit viel stärker als für die Generation unserer Großeltern. Wir sollten eigene Lebensinteressen haben, eigene Freundschaften entwickeln und pflegen.

Was in unseren Köpfen passiere, solle dort unbedingt bleiben. Wichtig für eine Partnerschaft sei, dass der Partner nicht alles weiß. Zum Beispiel, wenn wir in einer gut gehenden Beziehung erotische Fantasien zu anderen Menschen haben. "Wenn der Partner nichts davon erfährt, ist das völlig okay."