Jeden Monat bringt Anna Butz ein Rind zum Schlachthof und schaut zu, wie es getötet wird. Dann verkauft sie das Fleisch. Sie hat keine Ahnung, wie es schmeckt. Anna ist Veganerin.

Jeden Tag ist Anna Butz auf ihrer Kuhweide unterwegs. Sie füttert Kälber und Rinder mit Brötchen und Äpfeln, immer wieder kommen die großen Tiere auf sie zu, stubsen sie an und wollen gekrault werden. Etwa 100 Rinder hat sie auf ihrer Weide stehen. Anakin ist eines von ihnen. In ein paar Stunden wird er vom Schlachter mit dem Bolzenschussgerät getötet.

Anna Butz weiß nicht, wie das Fleisch schmeckt

Das ist Anna Butz' Beruf: Sie ist Rinderzüchterin, die hegt und pflegt ihre Tiere, damit sie am Ende getötet werden, ihr Fleisch wird zerlegt und Anna verkauft es. Knapp 40 Euro verlangt sie für ein Kilogramm Steak. Und sie hat keine Ahnung, wie das Fleisch schmeckt, denn sie selbst würde es niemals probieren. Anna ist Veganerin.

Anna Butz ist Veganerin. Und züchtet Rinder für den Schlachter. Astrid Wolf | Deutschlandfunk Nova

Darum ist Anna schon bedroht worden, sie vermutet: von anderen Veganern, militanten. Aber Anna Butz will weitermachen. Und vor allem will sie, dass es ihren Tieren gut geht. Anakin etwa, dieser riesige Ochse mit rotbraun-gestromten Fell, ist sechs Jahre alt. "Das gibt es in der normalen Mast nicht", sagt Anna. Dort werden die Tiere höchstens zwei Jahre alt. "Und sie waren in der Zeit nicht draußen. Die haben zu sechst, zu acht, in einer kleinen Box gestanden und den ganzen Tag gefressen."

"Ich möchte nicht, dass sie die Erfahrung machen, dass Menschen scheiße sind oder das Leben scheiße ist. Ich möchte, dass es ihnen bis zum letzten Moment richtig gut geht."
Anna Butz, Rinderzüchterin und Veganerin

Die Züchterin will beweisen, dass Fleischproduktion besser geht, dass die Tiere ein gutes Leben haben können, bevor die getötet werden. "Ich möchte, dass sie glauben, Menschen seien nett", sagt Anna. "Ich weiß, dass das nicht so ist. Aber ich möchte, dass sie es glauben, bis es irgendwann 'Klack' macht und dann sind sie weg."

Jeden Monat muss ein Tier sterben, damit die anderen gut leben können. In diesem Monat ist es eben Anakin. Mit einem Brötchen lockt Anna ihn auf den Anhänger und bringt ihn zum Schlachthof, kümmert sich um ihn. Sie wäre froh, wenn alles schon vorbei wäre. "Ich bin ihnen ein gutes Leben und einen guten Tod schuldig. Wie es mir dabei geht, ist egal."

"Immer noch scheiße. Immer noch... scheiße."
Anna Butz, Rinderzüchterin und Veganerin

Der Schlachter drückt dem Rind das Bolzenschussgerät auf die Stirn, drückt ab, das riesige Tier sackt in sich zusammen. Die Beine von Anakin zucken reflexartig noch mehrere Minute, als der Schlachter ihm den Hals aufschneidet, läuft das Blut Liter um Liter in eine Metallschale. Anna Butz beobachtet das alles mit ausdruckslosem Gesicht. Dann fährt sie nach Hause, nimmt Bestellungen an. Nach einer Stunde ist das Fleisch ausverkauft.

Dann geht sie wieder auf die Kuhweide und schaut, dass es ihren Rindern gut geht.

Mehr zum Thema: