Humanoide Kung-Fu-Roboter. Dunkle Fabriken ohne Menschen. Tech-CEOs, die den Verlust Abertausender Jobs prognostizieren: Gregor und Anca schauen hinter die Drohkulisse der automatisierten Arbeitslosigkeit und fragen: Ist wirklich niemand mehr sicher?
Wenn es nach Tech-Unternehmer Elon Musk geht, können sich junge Menschen das Medizinstudium eigentlich sparen: "Pointless! Well, do it for social reasons", sagte er. Unnötig, außer aus sozialen Gründen also.
Humanoide Roboter würden in wenigen Jahren nämlich selbst die besten Chirurginnen und Chirurgen übertreffen – und ersetzen.
Ist die Zukunft schon da?
Wer dann noch Videos von Kung-Fu-Robotern der Firma Unitree sieht oder Berichte über menschenleere "Dark Factories" in China liest, könnte glauben: Die Zukunft ist längst da. Nimmt uns KI die Bürojobs – und der Roboter jetzt auch die manuelle Arbeit ab?
Dark Factories: Mehr Buzzword als Revolution
Als "Dark Factories" bezeichnet man Fabriken, in denen theoretisch das Licht ausgeschaltet bleiben kann, weil Roboter die Produktion vollständig übernehmen. ARD-Shanghai-Korrespondentin Eva Lamby-Schmitt war in einer solchen Fabrik.
Ihr Eindruck relativiert das Bild: "Für mich klingt 'Dark Factory' eher wie ein Buzzword. So richtig habe ich den Unterschied zu einer normalen, hochautomatisierten Fabrik nicht erkannt."
Tatsächlich sei es überraschend hell, weil auch dort weiterhin viele Menschen arbeiten: Sie überwachen Prozesse, steuern Abläufe und übernehmen komplexere Handarbeiten, die Maschinen noch nicht leisten können. Vieles davon ist auch in anderen Industrienationen längst Standard.
"Für mich klingt 'Dark Factory' eher wie ein Buzzword. So richtig habe ich den Unterschied zu einer normalen, hochautomatisierten Fabrik nicht erkannt."
Die Grenzen der Robotik
Auch beim Branchenverband International Federation of Robotics dämpft man die Erwartungen: "Wir sehen aktuell, dass die Roboter noch weit weniger können, als wir uns wünschen würden", sagt Susanne Bieller, Generalsekretärin der IFR.
Noch sei unklar, ob humanoide Roboter zuverlässig und sicher in der menschlichen Umgebung funktionieren – und wo sie wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar sind.
Anders sieht es bei klassischen Industrierobotern aus: Ihre Zahl hat sich weltweit in den vergangenen zehn Jahren etwa verdoppelt. Deutschland liegt bei der Roboterdichte hinter Südkorea und Singapur sogar auf Platz drei.
"Roboter sichern in Deutschland und Europa die Arbeitsplätze."
Susanne Bieller sagt sogar: Roboter sichern Arbeitsplätze. Ihr Argument: Die Roboter übernehmen vor allem gefährliche, monotone und körperlich belastende Tätigkeiten und ermöglichen gleichzeitig wettbewerbsfähige Produktion in Hochlohnländern.
Steht der Durchbruch kurz bevor?
Der Robotikforscher Jan Peters von der TU Darmstadt glaubt dennoch, dass ein entscheidender Durchbruch bevorsteht. Lange Zeit fehlte es humanoiden Robotern sowohl an der nötigen Intelligenz als auch an geeigneten Körpern.
In beiden Bereichen habe die Forschung zuletzt große Fortschritte gemacht. Peters spricht von einem möglichen "iPhone-Moment": Einem humanoiden Roboter, der so vielseitig einsetzbar ist, dass er den Markt grundlegend verändert.
"Ich würde behaupten, dass wir diesen Moment mit Sicherheit in den nächsten fünf Jahren erleben werden – vielleicht sogar früher. Die Grundlagen dafür sind inzwischen da."
Warum menschliche Arbeit trotzdem nicht einfach verschwindet – darum geht es in dieser Folge von What the Wirtschaft?!
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- Florian Butollo: Das knappe Gut Arbeit. Automatisierung, Arbeitskräftemangel und sozialer Konflikt. Suhrkamp 2026.
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