Wieder nur lernen, das wollte Johannes Gereons nicht. Nach dem Abitur packt der 19-Jährige seine Sachen und geht nach Sarajevo. Dort macht er sein Freiwilliges Soziales Jahr und ist begeistert.

Nach dem Abitur war ich noch nicht bereit für ein Studium, sagt Johannes Gereons. "Wieder nur lernen, das wollte ich nicht." Er kümmert sich um ein Freiwilliges Soziales Jahr und findet eine Stelle in Sarajevo, der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. "Das war die richtige Entscheidung", sagt Johannes nach fünf Monaten vor Ort.

Johannes arbeitet in einem Kinderheim. Wenn die Kinder Schule aus haben, beginnt sein Job: Er holt sie Kinder ab, isst mit ihnen, spielt mit ihnen, bringt ihnen etwas Deutsch und Englisch bei. Johannes macht auch in Sarajevo weiterhin Musik, denn er ist auch Singer-Songwriter. Er bereist das Land und genießt Sarajevo. Eine lebendige Stadt mit rund 300.000 Einwohnern.

"In Sarajevo herrscht auch Trubel, aber mit weniger Hektik gewürzt als in Deutschland. Mit mehr Entspanntheit."
Johannes Gereons, macht zurzeit ein FSJ in Sarajevo

Im ersten Monat in Sarajevo bekam Johannes mit anderen zusammen einen Sprachkurs, um die Grundlage der bosnischen Sprache kennenzulernen. Und er bekam wichtige Hinweise, was er rund um Sarajevo beachten soll - er muss sich vor Landminen in Acht nehmen. Denn Sarajevo war während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien fast vier Jahre lang belagert, umzingelt von serbischen Einheiten. Anfang der 1990er-Jahre tobte in und um die Stadt der Krieg. Bis dahin galt Sarajevo als Modell der Toleranz und des multikulturellen Zusammenlebens.

Bosnien-Herzegowina: Ein politisches Konstrukt

"Der Krieg spielt noch immer eine Rolle", sagt Johannes. "Das sitzt den Leuten noch in den Knochen." Viele Häuser seien noch immer von Einschusslöchern gekennzeichnet, die man notdürftig zugekleistert habe.

Nach dem Ende des Kriegs ist Bosnien-Herzegowina entstanden - ein politisches Konstrukt. Das Land ist politisch gelähmt, die Arbeitslosigkeit hoch und die Korruption allgegenwärtig. Johannes spürt die Perspektivlosigkeit vor Ort und den politischen Frust bei vielen Menschen. Der Wunsch das Land zu verlassen, sei hoch. Aber wegzugehen, das sei das Letze, das die Lage in Bosnien-Herzegowina verbessere, sagt Johannes.

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