Saudi-Arabien hat sich immer als islamischer Staat bezeichnet - und damit eine radikale Lesart des Islam und Dschihadisten gefördert. Genau die wird gerade zur Gefahr für Saudi-Arabien - in Form des IS.

König Abdullah von Saudi-Arabien galt bis zu seinem Tod als Stabilitätsanker im Nahen Osten, erklärt Daniel Gerlach von der Zeitschrift Zenith. Auf wirtschaftlicher und militärischer Ebene sei das auch so gewesen, sagt er.

"Saudi-Arabien war ein zuverlässiger Partner für internationale Wirtschaftsbeziehungen und hat Öl so gefördert, dass es der Weltwirtschaft zu Pass kam."
Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zenith

Zeitgleich habe Saudi-Arabien aber eine destruktive Außenpolitik betrieben, indem das Land eine radikale Lesart des Islam und Dschihadisten gefördert hat. Damit hat Saudi-Arabien dem IS in die Hände gespielt. Und genau der verkauft sich jetzt als der Islamische Staat - und macht damit Saudi-Arabien Konkurrenz, sagt Daniel Gerlach.

"Die Dschihadisten und die radikalen Kräfte, die die arabische Welt unterwandert haben, sind ein Resultat saudischer Außenpolitik. Dessen muss man sich bewusst sein."
Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zenith

Saudis spenden für den Terror

IS geht sogar so weit, die Entstehungsgeschichte Saudi-Arabiens nachzuahmen: durch Eroberungen, durch eine rückwärtsgewandte und radikale Interpretation des Islam.

Die saudische Monarchie sei eigentlich kein islamischer Staat, sagt Daniel Gerlach, trotzdem habe das Königshaus immer genau dieses Bild vermitteln wollen. "Indem es sagt: Nur in unserem Land wird der Islam so praktiziert, wie der Prophet es will." Damit hat Saudi-Arabien dem internationalen Terrorismus in die Hände gespielt: Denn es gibt sehr viele reiche Saudis, die Geld an extremistische, wahhabitische Organisationen in der ganzen Welt spenden und damit den islamistischen Terrorismus fördern.

Schiiten gegen Sunniten

Ein weiteres Problem für Saudi-Arabien ist das Aufkommen des Schiismus, der zweiten großen Interpretation des Islam neben dem Sunnismus. "Der Schiismus ist stärker geworden und ist damit zum Lieblingsfeindbild Saudi-Arabiens geworden." Das Problem: Gerade in der Region mit den meisten Ölvorkommen in Saudi-Arabien leben viele Schiiten. Daran wird deutlich, dass der saudische König kein Alleinherrscher ist, sondern viele verschiedene Interessen berücksichtigen muss.