Schimpanse Robby

Der Affe, der bei Menschen lebt

Ein Streit dreht sich um den Schimpansen Robby. Er ist 47 Jahre alt - also ein Greis unter Menschenaffen - und er lebt seit seiner Geburt unter Menschen. Das will die Tierrechtsorganisation Peta ändern und Robby mit anderen Schimpansen sozialisieren.

Besitzer von Robby, dem Menschenaffen, ist der Zirkusdirektor Klaus Köhler. Als Robby ungefähr vier Jahre alt war, hat Klaus Köhler Robby bei sich aufgenommen. Robby war ein Zootier, das von seiner Mutter verstoßen und dann mit der Flasche großgezogen wurde. Als er zu den Köhlers kam, war er also noch ein Affenkind. So ist Robby dann gemeinsam mit Köhlers sechs Kindern im Zirkus Belly aufgewachsen.

Als Robby Ende 20 war, konnte er nicht mehr einfach so mit der Familie in deren Wohnwägen abhängen, erzählt Köhler. Dann hätte Robby die Oberhand gewinnen wollen, und wenn er gekonnt hätte, hätte er sich diese Stellung erkämpft. Stattdessen besuchen Köhler, seine Frau und sein Hund Ted Robby seitdem mehrmals täglich in seinem Gehege. Dort befindet sich eine Hängematte für seinen Besitzer Klaus Köhler.

Jeden Nachmittag macht er bei Robby seinen Mittagschlaf, der setzt sich dann neben ihn und schaukelt ihn, entlaust seinen Kopf, oder er hält seine Hand.

Kritik von der Tierschutzorganisation Peta

Peta kritisiert die Haltung des Affen bei Familie Köhler. Sie ist der Meinung, dass Menschen oder auch der Familienhund Ted keine adäquaten Sozialkontakte für den Menschenaffen seien. 

"Ein Mensch, oder auch der Hund der Familie, der auch manchmal in Robbys Käfig mit reingelassen wird, das ist natürlich alles andere als ein adäquater artgerechter Sozialkontakt für einen Menschenaffen."
Yvonne Würz, Sprecherin der Tierrechtsorganisation Peta

Laut Peta leide Robby psychisch an seiner Situation. Deshalb verlangt Peta, dass Robby in die Niederlande in eine Affenauffangstation gebracht werden soll, um dort Schritt für Schritt mit anderen Affen sozialisiert zu werden. 

Robbys Tierärztin Alexandra Dörnath hält das für lebensgefährlich. Sie hat zu Primaten promoviert und Robby lange beobachtet. Sie ist der Meinung, dass Robby, auf dem Transport durch die Narkose sterben würde. Oder an Einsamkeit während der Quarantänezeit. Würde er all das überleben, dann käme Robby ihrer Überzeugung nach bei einer Vergesellschaftung mit Artgenossen ums Leben. 

"Es geht nämlich immer beim Aufeinandertreffen von Gruppen darum: Wer ist der Stärkere und es geht immer auf den Alten und immer auf das Männchen."
Alexandra Dörnath, Tierärztin von Robby

Peta wirft dem Zirkus außerdem vor, dass das Gehege von Robby zu klein für einen Schimpansen sei. Aber auch das sieht die Tierärztin von Robby anders. Aus ihrer Sicht sei die Gehegestruktur das Entscheidende. 

"Das Primäre bei der Haltung eines Tieres ist nicht die Gehegegröße. Primär spielt die Gehegestruktur eine Rolle und die Beschäftigung."
Alexandra Dörnath, Tierärztin von Robby

Alexandra Dörnath sagt aber auch ganz klar, dass sie heute einen Schimpansen nicht mehr unter Menschen großziehen würde. Allerdings sei Robby jetzt schon fehlgeprägt, denn er denke, er sei ein Mensch und das könne man nach 47 Jahren nicht mehr rückgängig machen.

Es geht nicht nur um Robby

Hinter dem Lärm um Robby steckt auch die Diskussion, ob Zirkusse überhaupt Tiere präsentieren sollten. Beim Zirkus Belly leben außer Robby auch noch Hunde, Ponys, ein Alligator, Riesenschlangen, Kamele und Lamas. Zirkusdirektor Köhler kann diese Diskussion nicht verstehen und betont seine Zuneigung zu Tieren. 

"Ich liebe Tiere, weil ich schon mein ganzes Leben mit Tieren groß geworden bin. Mein ganzes Leben schon mit Tieren gearbeitet."
Zirkusdirektor Klaus Köhler

Das Veterinäramt in Celle - da ist das Winterquartier des Zirkus - verlangt auch, dass Robby mit anderen Schimpansen leben soll. Obwohl alle Veterinärämter dem Zirkus immer eine gute Haltung seiner Tiere bescheinigt haben.

Robby scheint das alles herzlich wenig zu jucken. Gelassen streckt er seine Hände durch die Gitterstäbe und bietet seinen Besuchern Tomaten an. Wie schön wäre es, wenn man ihn selbst zu allem befragen könnte – aber er bleibt eben doch ein Affe.