Seit einem Jahr sollen Schockbilder abschreckend auf Raucherinnen und Raucher wirken. Viele verstecken deshalb die Schachteln in Etuis.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Till Opitz hat sich auf der Straße umgehört: Viele der Befragten rauchen unvermindert weiter, und Frauen stecken die Schachteln gerne in Etuis. Findige Kioskbesitzer machen Blenden vor die Regale, um die Schockbilder zu verdecken.

Zahl der Beratungsgespräche deutlich gestiegen

Tatsächlich ist aber der Zigarettenkonsum 2016 zurückgegangen. Das sei aber laut Tabakindustrie eine Tendenz, die sich seit längerem bemerkbar macht. Grundsätzlich seien die Absatzzahlen stabil. 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dagegen registriert seit einem Jahr deutlich mehr Anfragen zu Beratungsgesprächen: Waren es sonst 1000 telefonische Beratungsgespräche im Monat, sind sie mit Kampagnenstart bis auf 9000 angestiegen. Inzwischen hätten sie sich bei 4000 pro Monat eingependelt. Auch die Anmeldungen für das Online-Ausstiegsprogramm seien von 1000 auf 4000 pro Monat angestiegen, teilt die Pressestelle der BZgA mit.

Für Risiken sensibilisieren

Aus Ländern, die schon länger Schockbilder auf Zigarettenschachteln abbilden, gibt es verschiedene Studien zum Zigarettenkonsum. Forscher der University of Pennsylvania kommen zum Ergebnis, dass die Menschen durch die Schockbilder die Risiken, die vom Rauchen ausgehen, eher wahrnehmen und versuchen aufzuhören. Denn: Bilder sind wirksamer als Texte.

Psychologen wie Christoph Kröger vom Institut für Therapieforschung in München gehen davon aus, dass der Effekt erst nach ein paar Jahren durchschlägt. Die Tabakindustrie habe über Jahrzehnte mit Bildern Zigaretten beworben, die Freiheit und Individualität versprachen. Jetzt müssten die Schockbilder die Menschen erst wieder aus dieser emotionalen Prägung herausholen und sie für die Gesundheitsrisiken sensibilisieren. 

331 Tote täglich

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg geht davon aus, dass jedes Jahr in Deutschland 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. Also durch Aktiv- oder Passivrauchen. Das sind 331 Tote täglich.