Am Text der Schweizer Nationalhymne gab es schon länger Kritik. Im Netz konnten die Schweizer jetzt abstimmen, welche Worte sie denn lieber singen möchten als die etwas veralteten der bisherigen Hymne. Es war allerdings keine offizielle Abstimmung, sondern wurde von einer Initiative ins Leben gerufen, von der "Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft".

"Weißes Kreuz auf rotem Grund - Unser Zeichen für den Bund - Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden."
Wortlaut der Gewinner-Version

Wegen der drei Nationalsprachen in der Schweiz gibt es natürlich auch eine französische und eine italienische Version. Die Melodie ist die gleiche geblieben. Bis Samstagabend konnten die Schweizer beim Wettbewerb der Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) unter den drei besten Songs abstimmen. Der Gewinnertext hat sich gegen mehr als 200 andere Versionen durchgesetzt. Er wurde live im Schweizer Fernsehen gekürt.

Was störte an der alten Hymne?

"Der Text ist vielen zu sperrig und nicht mehr zeitgemäß. Außerdem schließt er Nicht-Christen aus, finden Kritiker."
Anna Kohn, DRadio Wissen

Die erste Strophe des Schweizerpsalms lautet:

Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im
hehren Vaterland.

Konsens in der Schweiz?

Der Wettbewerb für eine neue Hymne war durchaus umstritten. Viele Schweizer wollen auch an der alten Nationalhymne festhalten. Sie argumentieren etwa, dass der Text für alle Gläubigen gelte.

"Auch die SGG hat böse Briefe bekommen von Leuten, die die alte Hymne bewahren wollen."
Anna Kohn

Wie geht’s jetzt weiter mit diesem Vorschlag?

Also das ist jetzt noch lange nicht die neue Nationalhymne der Schweiz. Denn um die wirklich zu ändern, muss die Bundesversammlung, also das Schweizer Parlament, darüber abstimmen. Offizielle Bestrebungen, das zu tun, gibt es aber im Moment gar nicht. Die SGG will jetzt erst mal eine große PR-Offensive starten und den Text noch bekannter machen.

"Man muss wissen: Es gab schon einige Versuche, die Nationalhymne der Schweiz zu ändern. Und keiner davon hat geklappt."
Anna Kohn

Bei einer so großen Sache müssten über kurz oder lang sowieso wohl auch noch mal alle Schweizer darüber abstimmen. Ohne Volksabstimmung würde das in der Schweiz sicher nicht beschlossen.