In Brüssel gibt es kein Freibad. Das letzte hat vor 40 Jahren zu gemacht. Die Brüsseler kämpfen aber für adäquate Abkühlung im Sommer und starten eine Initiative für Freibäder in der Stadt.

Früher hatte Brüssel mehrere Freibäder. Das letzte schloss 1978 in Evere, im Nordosten der Stadt. Seit über 40 Jahren gibt es in der 1,1-Millionen-Einwohnerstadt kein Freibad mehr.

In eineinhalb Stunden an die Küste

Der DLF-Korrespondent in Brüssel, Paul Vorreiter, erzählt, dass er es an heißen Tagen so macht, wie viele in Brüssel: Er setzt sich in die Bahn und fährt in eineinhalb Stunden an die Küste – etwa nach Blankenberge oder Ostende. Das sei aber natürlich nichts für einen spontanen Ausflug.

"Wer sich abkühlen will, muss das in der Regel in den Hallenbädern machen. Oder er leistet sich die Mitgliedschaft in einem teuren Sportclub mit Open-Air-Schwimmbecken."
Paul Vorreiter, DLF-Korrespondent in Brüssel

Initiative kämpft für Open-Air-Schwimmen

Seit einigen Jahren gibt es in Brüssel die Initiative "Pool is cool", die mit vielen Aktionen darauf aufmerksam macht, dass in Brüssel Freibäder gebraucht werden. Initiator ist Paul Steinbruck, der seit elf Jahren in Brüssel lebt, ursprünglich aber aus Dresden kommt.

In seinen Social-Media-Kanäle hat er wahrgenommen, dass sich auch andere Menschen fragen, warum es in Brüssel keine Freibäder gibt. Die Initiative sei aus einer geteilten Frustration heraus entstanden.

"2015 haben wir angefangen, einfach mal zum Spaß in die verschiedenen Teiche zu springen, um zu testen, wie das ist und ob es das geht."
Paul Steinbruck, Initiative "Pool is cool"

Die Bürgerinitiative "Pool is cool" hat inzwischen fast 7500 Stimmen gesammelt. Sie fordert, dass Brüssel für Möglichkeiten zum Abkühlen sorgt. Dabei lassen sie sich auch von Ideen aus anderen Städten inspirieren, wie dort beispielsweise Naturgewässer oder Kanäle umgestaltet werden, damit Menschen darin baden können.

Bürgerinitiative sieht mehrere Möglichkeiten fürs Draußen-Schwimmen

Beispielsweise könnte am "Bassin Vergote", eine Stelle im Nordosten der Stadt, wo der Kanal durchgeht, so etwas wie das "Badeschiff" in Berlin eingerichtet werden, sagt Paul Vorreiter. Das ist ein Schwimmbecken, das auf der Spree schwimmt.

Oder man könnte die Weiher in Brüssel biologisch so aufarbeiten, dass man dort baden kann. Das wäre aber mit Aufwand verbunden, denn Brüssels Naturgewässer eignen sich eher weniger zum Baden.

Politik reagiert auf Druck und macht Zugeständnisse

Auf die Aktionen und den Druck der Initiative "Pool is cool" hat Brüssel in gewisser Weise reagiert. Von der Politik heißt es, "dass sie vorübergehende, aber auch dauerhafte Outdoor-Schwimmprojekte unterstützt".

Etwas konkreter ist die Gemeinde Brüssel-Stadt geworden, sagt Paul Steinbruck von "Pool is cool". Sie plant den Bau eines künstlichen Schwimmbads mit Wasseraufbereitung und Pflanzen.

"Die Stadt Brüssel schreibt ganz spezifisch, dass sie ein natürliches Schwimmbad bauen wollen."
Paul Vorreiter, DLF-Korrespondent in Brüssel

Wenn es gut läuft, könnten die Brüsseler im Sommer 2020 erstmals wieder seit mehr als 40 Jahren draußen schwimmen.