Der Spielekonzern Mattel teilt mit: Das traditionsreiche Spiel Scrabble soll verjüngt und umbenannt werden. Unsere Reporterin Anke van de Weyer weiß gar nicht, was sie mit dieser Information anfangen soll. Meinen die das wirklich ernst?

Das seit Jahrzehnten beliebte Spiel "Scrabble" soll demnächst "Buchstaben-Yolo" heißen. Das wäre so interessant noch nicht, wenn mit der Namensänderung nicht auch eine Marketingkampagne einhergehen würde, die Fragen aufwirft. Worum es geht, erfährt man am schnellsten in diesem Werbevideo.

Kurz gesagt geht die Verjüngungskur des Scrabble-Spiels so weit, dass sie selbst die obercoolen Jungs auf dem Schulhof nur schwer erreichen dürfte, denen die Eltern die teuren Markenklamotten aus dem Skater-Laden bezahlen. Die Youtube-Bewertung des Spots war jedenfalls selten so eindeutig negativ wie beim Yolo-MC-Fitti-Video.

"Die anvisierte Zielgruppe sind tendenziell nicht die Menschen, die Begriffe wie 'Swag', 'Yolo' oder 'Babo' verwenden. Wenn die Wörter überhaupt irgendwer auf der Welt verwendet."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Der erste Gedanke von Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anke van de Weyer: Das kann nicht euer Ernst sein?! Mattel - immerhin der zweitgrößte Spielzeug-Produzent der Welt - lässt alle Zweifelnden allerdings in der Unsicherheit. Doch da gibt es eine seriös und so gar nicht nach Fake wirkende Pressemitteilung, die die Namensumstellung von Scrabble auf Yolo bestätigt. Darin heißt es: "Wir haben uns letztlich dazu entschlossen, zeitgemäß zu agieren."

Andererseits hat Mattel auf unseren Interview-Anfrage ausweichend reagiert, man hätte zurzeit zu viel zu tun. Und von all dem abgesehen: Die Namensumstellung und die Werbung mit MC Fitti bleibt zu unglaublich, als dass man mit endgültiger Sicherheit davon ausgehen kann, dass der Imagewechsel von Scrabble tatsächlich kommt.

"Wenn das eine PR-Maßnahme ist, ist sie gelungen. Natürlich verunsichert man jetzt die Fans ein bisschen. Aber wenn es eine Werbung ist, dann hat sie so einen gewissen unglaublichen Faktor."
Andreas Pogoda, Soziologe und Unternehmensberater

In der Pressemitteilung heißt es, man wolle "vielleicht den ein oder anderen der Generation Y von der Spielekonsole zurück zum Säckchen mit den Buchstaben holen". Das Problem: Die Generation Y sind diejenigen, die zwischen den frühen 1980er und den frühen 2000er Jahren geboren sind, sie sind also irgendwas zwischen 17 und 38 Jahre alt - tendenziell also nicht die Menschen, die Wörter wie "Swag", "Yolo" oder "Babo" verwenden. Anke van de Weyer: "Wenn die Wörter überhaupt irgendwer auf der Welt verwendet."

Anke sagt: Vielleicht ist das Ganze auch eine Werbeaktion - und irgendwann kommt Mattel mit der Nachricht um die Ecke: Das war ein Scherz. Andreas Pogoda, ein Soziologe, der Unternehmen bei der Marken-Werbung berät, sagt: "Das wäre eine gelungene Aktion." Aufmerksamkeit hat Mattel auf jeden Fall erzeugt, schließlich ist Scrabble auch ein sehr bekanntes Spiel, das nicht mal eben umbenannt wird, ohne dass es jemand mitbekommt. Auf Twitter trendete das Thema ziemlich schnell.

Unternehmen und Marken werden immer wieder umbenannt

Sollte das ganze jedoch kein Scherz sein, geht Mattel damit ein hohes Risiko ein, sagt Pogoda. So wie jedes Unternehmen ein hohes Risiko eingeht, eine langjährige und bekannte Marke aufzugeben. Andererseits kann das generell und langfristig auch zum Erfolg führen, zum Beispiel wenn mit dem Namenswechsel eine Internationalisierung angestrebt wird oder mit einer Produktinnovation einhergeht.

Immer wieder werden ganze Unternehmen oder einzelne Produkte umbenannt: Aus der Bank "Ing-Diba" wird "Ing", aus "EADS" wurde "Airbus" aus der "Junior Tüte" das "Happy Meal", aus "Frankfurter Flughafen" wurde "Fraport", aus "Fairy" wurde "Dawn" und dann wieder "Fairy" und, das ist der Klassiker: Raider heißt jetzt Twix.