"Die Flüchtlingswelle auf dem Mittelmeer wird auf dem Rücken der Seeleute ausgetragen", sagt der Leiter der Seemannsmission in Alexandria, Markus Schildhauer.

Die Seeleute sind die Ersten, die auf die auf die Flüchtlinge im Meer treffen. Sie müssen die Boote der Flüchtlinge sichern oder die Menschen bergen, erklärt Markus Schildhauer. Die Seemänner seien dann direkt mit den Flüchtlingen und deren Not konfrontiert, so der Seelsorger, und müssten sich um die gesundheitlichen Probleme und die seelischen Leiden der Flüchtlinge kümmern.

"Für unsere Seeleute sind die Flüchtlinge eine starke seelische Belastung."
Markus Schildhauer, Leiter der Seemannsmission Alexandria

Grundsätzlich sind die Seemänner dazu verpflichtet Schiffsbrüchigen zu helfen. Die deutschen Reedereien würden auch die Rettungsaktionen befürworten. Doch die kosten Zeit, bis das Schiff in Position gebracht ist, die Flüchtlinge an Bord und versorgt sind. Für die Reedereien bedeute das Kosten, wenn sie ihre Frachttermine nicht einhalten könnten, sagt Markus Schildhauer.

"Wir haben einen Kapitän, der erzählt hat, er möchte überhaupt nicht mehr im Mittelmeer als Kapitän arbeiten, weil er mit seinem Schiff über Kinderrucksäcke fahren musste."
Markus Schildhauer, Leiter der Seemannsmission Alexandria

Außer dass die Seemänner sich um Überlebende kümmern, müssten sie den Anblick von Leichen auf dem Meer und schwimmenden Gegenständen der Flüchtlinge ertragen. Im Gegensatz dazu werden Einsätze von Frontex oder Mare Nostrum von Kriseninterventionsteams begleitet, die sich um die Flüchtlinge und um die Retter kümmern. Für die Seeleute gäbe es eine solche Hilfe nicht. "Sie werden völlig alleine gelassen", sagt Markus Schildhauer. Die einzige Unterstützung bekämen die Matrosen von der Seemannsmission, wo sie über ihre Erlebnisse erzählen könnten, erklärt der Seelsorger.

Bis zu neun Monate auf See

Seit 2014 leitet Markus Schildhauer die Seemannsmission in Alexandria. Neben den seelsorgerischen Tätigkeiten hilft er den Matrosen auch bei Alltäglichem wie Überweisungen an die Familie, Telefonkarten besorgen, wenn sie nicht von Bord dürfen oder bei Ärger mit dem Kapitän. Zum Teil sind die Matrosen bis zu neun Monate auf See. Bei immer kürzeren Liegezeiten in den Häfen und steigendem Zeitdruck wird die Isolation der Seemänner verstärkt.

Die rund 17 Auslands- und 20 Inlandsstationen der Seemannsmission sind Anlaufstelle für alle Seeleute, ohne Ansehen der Person, Religion oder Nationalität.

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