Nicht alle Gedanken in unserem Kopf sind für die Öffentlichkeit bestimmt. Manche würden wir aber gerne festhalten für später. Wie praktisch wäre es, dann etwas zu haben, das unsere Gedanken direkt aufzeichnet. Genau so ein Gerät hat ein 24-Jähriger jetzt entwickelt.

Alter Ego ist ein tragbares Gerät, das hörbar macht, was wir denken. Die Technologie macht sich die Tatsache zunutze, dass unser Gehirn Signale an die Stimmbänder, den Hals und die Zunge sendet – und zwar egal, ob wir laut sprechen oder nur leise in unserem Kopf Selbstgespräche führen.

Das Wearable Alter Ego kann diese Signale abgreifen und mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) bestimmten Worten zuordnen. Der Träger oder die Trägerin des Geräts kann dann die Transkription der Worte über ein Headset hören. Das leitet die Antworten der KI direkt durch die Gesichtsknochen ins innere Ohr, so dass sie für Außenstehende unhörbar sind.

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Entwickelt hat Alter Ego der 24-jährige Forscher Arnav Kapur. Der schreibt gerade am Massachusetts Institut for Technology (MIT) seine Doktorarbeit und hat in seinem noch jungen Forscherleben schon so einiges erfunden: Er hat eine Drohne aus dem 3D-Drucker entworfen, eine Audio-Technologie entwickelt, die sehbehinderten Menschen erzählt, wie die Welt um sie herum so aussieht. Und er hat am Mondfahrzeug Indus mitgearbeitet, das Indien im September 2019 auf den Mond schicken will.

Mit Alter Ego hat Arnav Kapur gerade den "Use it!" Lemelson-MIT Student Prize für innovative Technikprodukte gewonnen.

Hilfe für Menschen mit Sprachstörungen

Arnav Kapur gibt die Genauigkeit seines Systems mit 92 Prozent an. Das hat er bei mehreren Experimenten getestet – zuletzt in verschiedenen Rehabilitationszentren in Boston. Dort hat er Alter Ego mit Menschen ausprobiert, die Sprachstörungen haben, zum Beispiel aufgrund eines Schlaganfalls oder durch geschädigte Nerven im Gehirn oder Rückenmark. Die können ihre Sprechmuskeln zwar nicht mehr richtig nutzen, aber die Hirnsignale, die sie beim Denken aussenden, sind noch zu 100 Prozent intakt. Deswegen kann das Wearable erkennen, was sie sagen wollen und das in Sprache übersetzen.

Arnav Kapur kann sich aber auch die ganz alltägliche Nutzung von Alter Ego vorstellen. Er sagt, mit seinem Device habe man das perfekte Gedächtnis. Er hofft, dass es dazu beiträgt, dass Menschen KI nicht mehr als so bedrohlich empfinden, wenn sie verstehen, wie es unser tägliches Leben bereichern kann.

Ob das tatsächlich so ist, bleibt fraglich. Denn es lässt sich leicht erkennen, wo das Missbrauchspotential liegt. Zum Beispiel, wenn die Anwendung vom Militär oder von Ermittlungsbehörden in Diktaturen genutzt würde. Bis Alter Ego auf den Markt kommt, wird es noch eine Weile dauern. Aber Arnav Kapur hat es bereits zum Patent angemeldet.