Ulrich Willburger hat einen Spiegel entwickelt, der an Ampeln hängen und Unfälle mit Radfahrern verhindern könnte. Bisher haben nur wenige deutsche Städte Interesse daran, Geld zu investieren und den Spiegel zu nutzen.

Vor 25 Jahren hätte Ulrich Willburger aus Murnau in Bayern fast seine Tochter verloren. Die wurde auf ihrem Fahrrad von einem LKW-Fahrer erst übersehen, dann angefahren - und lag wochenlang auf der Intensivstation. Heute ist sie halbseitig gelähmt und lernt langsam wieder zu gehen.

Trixi-Spiegel für mehr Sicherheit

Nach dem Unfall seiner Tochter hat Ulrich Willburger einen Spiegel entwickelt, der, wenn er an Ampeln aufgehängt wird, solche Unfälle verhindern könnte. Bisher gibt es aber nur wenige Städte und Gemeinden, die den sogenannten Trixi-Spiegel aufgehängt haben, um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen. Benannt hat er ihn nach seiner Tochter Beatrix, die inzwischen 38 Jahre alt ist.

"Meine Frau hat dann gemeint, warum bauen wir nicht eine Riesen-Spiegelwand dahin. Ist natürlich nicht realisierbar, aber wenn man den reduziert - lupenartig, fischaugenartig - ist das sehr schnell realisierbar."
Ulrich Willburger entwickelte den "Trixi-Spiegel"

Jeder von uns kennt die Spiegel, die an vielen Ausfahrten und schwer einsehbaren Nebenstraßen hängen – sogenannte Hohlspiegel, die nach innen gewölbt sind. Damit haben die Autofahrer einen besseren Überblick.

Überblick für Lkw-Fahrer

Der sogenannte Trixi-Spiegel, den Ulrich Willburger entwickelt hat, ist konvex, also nach außen gewölbt. Er kann direkt unter der Ampel angebracht werden. So können beispielsweise Lkw-Fahrer ihr Fahrzeug sehen und erkennen, ob sich Fußgänger oder Radfahrer in ihrer Nähe befinden.

Toten Winkel ausleuchten

Besonders beim Rechtsabbiegen können Radfahrer in den toten Winkel geraten. Der Fahrer sieht den Radfahrer nicht und so kommt es zum Unfall, bei dem der Radfahrer oft schwer verletzt wird und der für ihn sogar tödlich enden kann.

"Es gab eine Untersuchung der Hochschule in Kaiserslautern: In den fünf Jahre, bevor der Spiegel aufgehängt wurde, gab es neun Verkehrstote. In den fünf Jahre danach einen. Also eine echte Verbesserung."
Ulrich Willburger entwickelte den "Trixi-Spiegel"

Einige Städte wie Osnabrück und Freiburg haben den Spiegel gekauft und an – für Radfahrer besonders gefährlichen Kreuzungen – aufgehängt. Aber es wird auch Kritik am Trixi-Spiegel geübt, der viele Gemeinden davon abhält, ihn zu installieren.

Schwachpunkt des Spiegels

Der Schwachpunkt des Spiegels: Er funktioniert nur, wenn das Fahrzeug sich davor befindet. Wer bereits abbiegt, was bei einem Lkw auch mal zwanzig Sekunden dauern kann, dem hilft der Spiegel nicht.

Fahrer können sich nicht allein auf den Trixi-Spiegel verlassen. Deswegen sagt der Entwickler Ulrich Willburger auch, dass es nicht ausreicht, den Spiegel aufzuhängen, die Fahrer müssen auch darüber informiert werden, was der Spiegel überhaupt leisten kann und worauf sie selbst achten müssen.

"Wenn der Fahrer nicht weiß, warum der Spiegel da hängt, denkt der nur, das ist ein blöd eingestellter Verkehrsspiegel. Der soll sich ja selber sehen und nicht um die Ecke rumschauen. Deshalb ist es immer wichtig, dass die Aufklärung parallel dazu läuft."
Ulrich Willburger entwickelte den "Trixi-Spiegel"

Ein Spiegel kostet rund 100 Euro. Für eine Millionenstadt wie München würden knapp 100.000 Euro Kosten entstehen, wenn die Stadt mit Spiegeln ausgerüstet werden würde.

Im Vergleich dazu: An einer Kreuzung eine Ampelanlage aufzustellen, über die auch eine Straßenbahn fährt, kostet knapp 300.000 Euro.

Beispielhaft ist die Finanzierung der Spiegel in Osnabrück: Lkw-Speditionen haben sich dort bereit erklärt, die Kosten für die Trixi-Spiegel zu übernehmen.