Wachsgießen, Wunderkerzen, ein kühles Glas Sekt – das gehört an Silvester für viele dazu. Hinter den Silvestertraditionen steckt so mancher physikalische Effekt. Und mit ein wenig Nachhilfe vom Physiker klapp der Silvesterabend gleich noch ein bisschen besser.

Auch wenn das Feuerwerk dieses Jahr an Silvester zum Großteil ausfällt, gibt es viele andere Traditionen, wie wir das neue Jahr einläuten und das alte verabschieden.

Wachsgießen: Mit Spüli im Wasser geht es besser

Ein Klassiker unter den Silvestertraditionen ist das Bleigießen – beziehungsweise war es das: zu gefährlich, zu umweltschädlich. Nach dem Verbot wurde die Tradition durch Wachs ersetzt. Das Prinzip bleibt gleich: Wachs schmelzen lassen und anschließend in eine Schüssel mit Wasser gießen.

Das Wachs bleibt allerdings auf der Wasseroberfläche liegen und es entstehen eher flache Gebilde. Das Blei tauchte mehr ins kalte Wasser ein und formte sich zu dreidimensionalen Figuren. Der Brauch schreibt diesen Figuren eine orakelähnliche Funktion zu – auch wenn mehr Interpretation als Substanz dahinter steckt.

"Beim Blei musste man schon viel Fantasie haben, beim Wachs noch mal mehr."
Nicolas Wöhrl, Physiker

Damit auch beim Wachsgießen mehr Dreidimensionalität entsteht, empfiehlt Physiker Nicolas Wöhrl vom Podcast "Methodisch inkorrekt" vor dem Gießen einen Tropfen Spülmittel in das Wasser zu geben. Das schwächt die Oberflächenspannung des Wassers ab und das Wachs kann tiefer hinein sinken, erklärt er. Zumindest hilft das etwas, denn Wachs hat eine niedrigere Dichte und ist damit wesentlich leichter als Blei. Hinzu kommt, dass es schneller abkühlt.

Am besten sollten die Kerzen auch mehrere Meter weit wegstehen von der Wasserschüssel, bevor das heiße Wachs hineingegossen wird. Um zu vermeiden, dass eine Stichflamme entsteht, erklärt er.

Wunderkerzen: brennende Selbstversorger

Ähnlich heiß kann es auch mit Wunderkerzen werden. Theoretisch können Wunderkerzen auch unter Wasser brennen. Denn: Eine Wunderkerze erzeugt den Sauerstoff, den sie braucht, indem sie verbrennt, sagt der Physiker. Das liegt an Bariumnitrat, einem Oxidationsmittel, das beim Verbrennen eben Sauerstoff freisetzt.

Für solch ein Experiment bräuchte es aber mehr als eine Wunderkerze, so Nicolas Wöhrl, weil das Wasser den Brand abkühlen würde und die Wunderkerze erlischt. "Wenn du aber ein ganzes Bündel nimmst und sie zusammen in Wasser hältst, dann wirst du beobachten, dass die inneren Wunderkerzen – da, wo Wasser als Kühlungsmittel nicht drankommt – weiter brennen."

Sekt: Was der Löffel in der Flasche soll

Kälte hilft hingegen, damit der geöffnete Sekt länger seine Kohlensäure behält – und auch einen Tag später noch schmeckt. Am besten kommt die offene Flasche mit einem Stopfen in den Kühlschrank. Den Trick mit dem Löffel, der in der Flaschenöffnung liegt, hält der Physiker für einen Mythos, der auf einer guten Grundidee basiert, aber nichts bringt.

"Sekt, der warm wird, verliert relativ viel von seinem CO2. Kalte Flüssigkeiten können mehr Gase speichern als warme."
Nicolas Wöhrl, Physiker

Er erklärt sich den Gedanken dahinter so: Ist Sekt einmal geöffnet und wird warm, verliert er einen wesentlichen Teil seines Kohlendioxids. Ist er kalt, kann er das Gas besser speichern. Das bedeutet: Damit der CO2-Gehalt gleich bleibt, sollte die Flasche möglichst bald nach dem Öffnen gekühlt werden, zum Beispiel im Kühlschrank. Metallische Löffel leiten wiederum Wärme gut. Sie können die Wärme also aus der Flasche abführen. Die Idee findet der Physiker gut. Der Effekt sei allerdings kaum nachweisbar – selbst im Labor nicht.