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Wenn wir unser reales Leben mit dem Instagram-Leben der anderen vergleichen, schneiden wir schlecht ab. Wenn wir das dauernd machen, kann uns das depressiv machen. Das hat eine neue Studie von Forschenden aus den USA herausgefunden.

Im Vergleich zu unseren digitalen "Freunden" sind wir logischerweise untrainierter, haben weniger Erfolg und weniger Geld. Generell ist unser schnödes Leben in der Regel viel unspannender als das, was irgendwer von den Coolen da draußen macht. Könnte man manchmal meinen.

Die These, dass zu viel soziale Medien nicht gut für unsere seelische Gesundheit sind, ist nicht ganz neu, sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat. Es hat schon eine ganze Reihe von Untersuchungen gegeben, in denen ein Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Depression beobachtet worden ist.

Das klassische Henne-Ei-Dilemma

Das Problem war aber immer die Unterscheidung zwischen Korrelation und Kausalität – also die große Frage: Werden Leute depressiv, weil sie sehr intensiv Social Media nutzen? Oder haben Leute eine depressive Veranlagung oder depressiv machende Lebensumstände und nutzen deswegen tendenziell stärker Social Media?

"Werden Menschen depressiv wegen Social Media oder sind sie depressiv und nutzen deshalb viel Social Media?"
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Auch die Forschenden der Unis Arkansas und Pittsburgh bleiben da vorsichtig – sie glauben aber, zumindest etwas mehr Licht in die Frage gebracht zu haben. Und zwar deswegen, weil ihre Studie nicht nur eine Momentaufnahme ist, sondern eine Entwicklung dokumentiert:

Am Anfang hatten sie rund 2500 Studienteilnehmer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren rekrutiert, entsprechend dem US-amerikanischen Bevölkerungsdurchschnitt verteilt nach Alter, Geschlecht, ethnischem Hintergrund, Bildungsstand und Einkommen.

Alle Versuchspersonen wurden nach dem Umfang ihrer privaten Social-Media-Nutzung gefragt – und mit einem standardisierten Fragebogen auf Anzeichen für eine Depression abgeklopft. Nach drei und nach sechs Monaten gab es dann Folgebefragungen, so dass die Wissenschaftler eventuelle Veränderungen registrieren konnten.

Veränderungen nach drei und sechs Monaten

Von den anfänglich rund 2500 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern blieben am Ende 1289 übrig. Herausgefallen sind jene, die nicht bis zur zweiten Folgebefragung dabeigeblieben waren und diejenigen, die offensichtlich unplausible Angaben gemacht hatten.

990 der 1289 Probanden hatten zu Beginn angegeben, keine Depressions-Symptome zu haben. Nach einem halben Jahr hatten dann aber 95 dieser Personen (9,6 Prozent) solche Symptome entwickelt – und zwar überproportional bei den Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmern, die Social Media am intensivsten nutzten. Im Gegensatz dazu war bei den Leuten, die schon zu Beginn entsprechende Symptome hatten, kein ähnlicher Zusammenhang zu erkennen.

"Der Kausalzusammenhang 'Starke Social-Media-Nutzung macht depressiv' ist damit nicht bewiesen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Forscher weisen aber sehr deutlich darauf hin: Der Zusammenhang sei zwar bemerkenswert, doch durch diese Erkenntnisse sei immer noch kein Kausalzusammenhang bewiesen nach dem Motto "Starke Social-Media-Nutzung macht depressiv".

Was an Social-Media problematisch ist

Die Forscher nennen aber drei Gründe, warum intensive Social-Media-Aktivität unglücklich machen könnte:

  1. Der reine Zeitaufwand – dieser wäre vielleicht nützlicher für persönliche Beziehungen, für das Erreichen tatsächlicher Ziele oder einfach "nur" zum Nachdenken
  2. Der ständige soziale Vergleich mit hochglanzpolierten, geschönten oder unerreichbaren Vorbildern
  3. Mögliche Veränderungen bei der Entwicklung von kognitiven Prozessen: Die ultraschnelle Interaktion mit einer reizüberfluteten virtuellen Welt könnte unser Gehirn auf eine ungute Spur bringen