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Für Anna ist irgendwann klar, dass sie ein Kind kriegen möchte. Ihr Partner ist dagegen. Nach sieben Jahren steht sie vor der Entscheidung: Kind oder Beziehung? Sie entscheidet sich für eine Schwangerschaft per Samenspende. Wird sie alles hinkriegen?

Ein Kind zu bekommen, ist lebensverändernd. Und als Solo-Mutter noch eine größere Herausforderung. Aber Anna (*Name auf Wunsch geändert) ist sich sicher, dass sie es alleine schaffen kann und nicht länger auf einen potenziellen Partner warten möchte. Anna ist Ende 20 und hat Endometriose. An ihrer Gebärmutter und den Eierstöcken wuchert gutartiges Tumorgewebe. Das kann nicht nur sehr schmerzhaft sein, es kann auch eine Schwangerschaft erschweren oder sogar verhindern.

Kritisiert für Kinderwunsch

Warten möchte sie nicht mehr, aber es gibt auch viel zu bedenken, zu planen und für Anna stellt sich auch die Frage, wird sie mit dem Support ihrer Familie und Freunde rechnen können oder muss sie sich auf Gegenwind gefasst machen? Eine Person, der sie sich anvertraut, kritisiert Annas Entscheidung. Diese Person ist religiös und sagt Anna, dass das Kind ein Recht auf beide Elternteile habe – Vater und Mutter. Und: Dass sich Anna nicht wie eine Schnecke selbst befruchten solle. Der Vergleich hinkt völlig und ist haltlos, dennoch empfindet Anna die spitze Bemerkung als verletzend.

"Wenn da einer was dagegen hat, soll er es für sich behalten."
Anna, möchte per Samenspende schwanger werden

Nach dieser Erfahrung weiht Anna nur noch wenige Menschen in ihre Pläne ein – insgesamt vier Leute, die ihr am nächsten stehen. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Ihre Familie freut sich auf den geplanten Nachwuchs. Eine Person sagt zu Anna: Wenn es jemand schaffen kann, dann du. Dass andere sich mit ihr auf ihre zukünftige Mutterschaft freuen, bestärkt Anna.

Das größte Thema: Bekomme ich genug Unterstützung?

Familienmodelle verändern sich, erklärt die Soziologin Sabine Diabaté. Gesellschaftlich seien Solo-Mutterschaften akzeptierter, weil es auch selbstverständlicher sei, dass wir uns selbst verwirklichen und individuelle Wünsche, Träume und Bedürfnisse verfolgen wollen, sagt die Soziologin. Dennoch werden Solo-Mütter weiterhin oft strukturell benachteiligt oder diskriminiert. Eine gängige Meinung sei: "Du wolltest es doch so, dann schau auch, wie du es hinbekommst", erklärt Sabine Diabaté.

Das entspricht auch dem, was Anna gerade erlebt. Neben den ganzen Beratungen und Voruntersuchungen, die Anna bereits hinter sich hat, und den rechtlichen Dingen, die sie gerade notariell klären muss, besteht ihre größte Sorge darin, ob sie genug Unterstützung aus ihrem Umfeld bekommen kann. Aber nicht nur emotional und logistisch ist die Planung einer Solo-Mutterschaft eine große Herausforderung – auch finanziell muss Anna viel stemmen.

28.000 Euro für einen Schuss

Eine einzelne Samenspende aus Dänemark, für die sich Anna bereits entschieden hatte, sollte 28.000 Euro kosten. Das wäre dann auch nur ein einzelner Befruchtungsversuch gewesen. Der Preis und das Risiko waren Anna zu hoch, sie entschied sich für drei Samples einer Samenspende für 4.500 Euro. Damit hat sie auch drei Versuche, um schwanger zu werden.

"Ich bin super aufgeregt und freue mich total darauf."
Anna, möchte Solo-Mutter werden

Frei nach der Redewendung "Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf" hält die klinische Sozialarbeiterin und Kinderwunsch-Beraterin Katharina Horn es für wichtig, früh genug solch ein "Dorf" für das geplante Kind zu gestalten. Dafür muss eine Frau mit Kinderwunsch in der Lage sein, um Hilfe bitten zu können, sagt sie. Und die eigenen Erwartungen dürfen nicht zu hoch sein, denn überfordert wäre jeder, der ein Kind bekommt, auch wenn es zwei Elternteile sind.

Man könne Menschen aus dem Umfeld einfach fragen, welche Rolle sie gerne übernehmen würden: Ob sie beispielsweise eine Patentante oder ein Patenonkel für das Kind sein möchten. Katharina Horn sagt, dass es keinen Nachweis gibt, dass die Aufgaben, die ein Vater in einer klassischen Familienkonstellation übernimmt, nicht auch von anderen Menschen erledigt werden können.

Das Modell einer Familie aus Vater, Mutter und Kind sei zudem erst 200 Jahre alt, vorher habe es auch andere Familienmodelle gegeben und Familienmodelle seien zudem im Wandel. Deswegen sieht Katharina Horn kein Hindernis darin, sich von dieser Vorstellung frei zu machen, wenn man das möchte.

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Shownotes
Solo-Mama
Will ich alleine ein Kind bekommen?
vom 24. Juni 2026
Gesprächspartnerin: 
Anna, bereitet sich darauf vor, alleine ein Kind zu bekommen
Gesprächspartnerin: 
Katharina Horn, klinische Sozialarbeiterin, Kinderwunsch-Beraterin und Mitgründerin des Vereins "Solomütter Deutschland" 
Gesprächspartnerin: 
Sabine Diabaté, Familiensoziologin und leitet das Forschungsprojekt "Elternschaft im Wandel" am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). 
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Mo Lorenz, Stefan Krombach, Anton Stanislawski, Anne Bohlmann
Produktion: 
Julian Kretschel