Am Strand entspannen, mit der besten Freundin Küstenorte mit dem Rad entdecken: Urlaub mit Freunden ist schön, kann aber auch anstrengend sein. Soziologin Leoni Linek sagt: Das Streitpotenzial ist hoch – daran führt kein Weg vorbei.

Wo essen wir heute? Wann stehen wir auf? Ist ein sportlicher Ausflug genug, oder sollen wir noch einen Museumsbesuch einplanen? Sollen wir uns auch mal trennen? Wer zahlt was? Bei einer Reise müssen viele Fragen geklärt und einige Kompromisse eingegangen werden.

"Im Urlaub ist es zwangsläufig so, dass man entscheiden muss – und das hat großes Konfliktpotenzial."
Leoni Linek

Die Soziologin Leoni Linek meint: Freunde können es dabei besonders schwer haben, weil sie oft keinen Alltag miteinander teilen und dadurch nicht aufeinander abgestimmt sind. "Auch wenn man sich natürlich wünscht, dass der Urlaub alles andere als Alltag sein soll, muss man im Urlaub ganz alltägliche Dinge aushandeln", so die Wissenschaftlerin. Paare und Familien seien da oft schon weiter.

Urlaub: Erfindung der Industrialisierung

Vom Urlaub erhoffen wir uns Entspannung – das ist historisch so. Erst seit der Industrialisierung gibt es den Urlaub, erklärt die Wissenschaftlerin. Das Ziel sei es, sich von den körperlichen und psychischen Anstrengungen des Arbeitslebens zu erholen, um dann wieder durchstarten zu können.

Inzwischen kommt auch der Faktor Selbstverwirklichung als Erwartungsaspekt dazu – und der ist gemeinsam eher schwerer zu erreichen als alleine. "Da geht es dann auch um Individualität und um Authentizität", betont die Forscherin. "Und da gehen auch die Ansprüche auseinander: Wie möchte man sich denn selbst verwirklichen?"

Streit im gemeinsamen Urlaub kaum vermeidbar

Wenn wir uns über eine Freundschaft freuen, in der wir wenig streiten, sieht Leonie Linek darin ein Problem für die Situationen, in denen es dann doch kracht. Denn dann haben wir in der Beziehung nicht genug Übung darin. Es könne auch zum Bruch kommen, besonders wenn die eine merkt, dass die Persönlichkeit der anderen, die durch den Urlaub nochmal anders hervorkommt, mit der eigenen nicht vereinbar ist – etwa, wenn die Freundin eine Pauschalreise für viel Geld machen will und man selbst lieber Backpacken möchte.

Menschen, die sich lange und dadurch besser kennen, sind eher in der Lage, diese Streitigkeiten zu bewältigen, so die Forscherin. Sie können schließlich mit den Macken des Gegenübers schon besser umgehen.

Partnerschaften und Urlaubskrach

Das würde ebenfalls für Urlaub mit der Familie oder mit dem Partner oder der Partnerin sprechen. Da ist aber auch nicht alles rosig, warnt die Soziologin: "In Partnerschaften ist das Konfliktpotenzial viel größer als mit Freunden im Urlaub." Denn da würde man auch die Konflikte aus dem Alltag mit in den gemeinsamen Urlaub mitnehmen, während Freunde, die sich nicht so gut kennen, kurzfristige Auseinandersetzungen vor Ort lösen müssten.

Sprich: Auch wenn ihr euch von der alltäglichen Arbeit erholen möchtet, entsteht im Urlaub eine andere Art von Arbeit, die bewältigt werden muss.

"Klar ist Urlaub auch ganz viel Arbeit. Da muss ja viel organisiert werden, da ist emotionale, körperliche, soziale Arbeit involviert."
Leoni Linek, Soziologin

Eine Zauberformel für Urlaub ohne Konflikte gibt es nicht – manche wünschen sich mehr Gespräch, andere finden es schlimm, wenn alles beredet werden muss. Wenn es also mit dem Urlaub nicht klappt, sollte man deswegen aber nicht unbedingt gleich die Freundschaft kündigen, meint Leoni Linek: "Vielleicht bedeutet das, dass eine Freundschaft einen bestimmten Teilbereich des Lebens abdeckt und bestimmte Bedürfnisse einer Person befriedigt." Aber eben nicht alle Bedürfnisse und nicht die, die man selbst an den Urlaub stellt.