Anspucken - ist das eine Körperverletzung oder eine Beleidigung? Jedenfalls ist es eine ziemlich eklige Angelegenheit. Und manchmal noch schlimmer als eine Ohrfeige.

In Amsterdam ist es wohl Gang und Gäbe: Die Busfahrer dort werden regelmäßig von wütenden Fahrgästen angespuckt, wie der Spiegel berichtet. Und sie haben die Schnauze voll: Um die Täter dingfest zu machen, nehmen sie eine DNA-Probe und übergeben diese der Polizei. Der Ekel bleibt.

Das Ekelempfinden gegenüber dem Spucken hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert - früher haben Menschen auf dem Donnerbalken gegessen oder beim Essen am Tisch in die Hände gespuckt. Mit zunehmender Kultivierung wurde es uns aber unangenehm, die Körperflüssigkeiten fremder Menschen ertragen zu müssen.

"Das Ausspucken - das muss ja nicht unbedingt ins Gesicht sein - ist schon eine Abfälligkeitsbekundung."
Winfried Speitkamp, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Kassel

Egal ob Spucken oder Ohrfeige - damit überschreitet der Angreifer eine unsichtbare Schwelle - die Haut - und attackiert den Körper des anderen. Angespuckt zu werden ist noch schlimmer als eine Ohrfeige, weil sich der Angreifer nicht einmal die Hände schmutzig machen muss: "Mit dem Spucken vermeidet man den persönlichen Kontakt, das ist die tiefste Form der Demütigung", sagt Winfried Speitkamp, Historiker an der Universität Kassel.

Wie kann die Ehre wiederhergestellt werden?

Eine Antwort auf das Spucken gibt es nicht - und auch vor Gericht ist es schwierig, die Ehre wiederherzustellen. "Erstmal muss man zugeben, dass einem ins Gesicht gespuckt worden ist. Das ist nicht so schön", sagt Winfried Speitkamp. Hinzu kommt: Ein Urteil, das ein halbes Jahr später fällt, interessiert niemanden mehr.

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