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Sky und Wilhelmine Böhme haben mit 20 ihr eigenes Start-up gegründet. Ihr Weg war schwierig, vor allem finanziell. Eine Start-up-Strategie soll Deutschland für junge Unternehmen attraktiver machen. Wir blicken auf die Pläne.

Gewerbeanmeldung, Finanzamt, Förderstellen, Notar, Handelsregisteramt: viele Akteure, die bestimmte Unterlagen brauchen, und viel, viel Zeit. Der Weg zum eigenen Unternehmen kann sich anfühlen wie eine kleine Ewigkeit. Vor allem dann, wenn man wenig Zeit hat, erklärt Gründer Sky Böhme.

"Genau die Ressource, die junge Unternehmer am wenigsten haben, die braucht es am meisten."
Sky Böhme, Gründer von StudiKI, über den Zeitbedarf beim Gründen

Dem 21-Jährigen sind im Vorabitur die eigenen Wissenslücken aufgefallen. Seine KI-Anwendung StudiKI verwendet ein individuell trainiertes Modell, um nicht schlicht die Lösung zu präsentieren, sondern den Lösungsweg zu gehen und Schülerinnen und Schüler dabei ins Denken, in einen Dialog zu bringen.

KI und Pädagogik

"Am Ende des Chats weiß der Schüler, was die Antwort auf seine Lösung ist, und hat dabei auch was gelernt und trotzdem mit KI gearbeitet", so beschreibt Sky Böhme das Prinzip.

"Wir nehmen wirklich den Schüler an die Hand, wie eine Lehrkraft, die vor einem sitzt."
Sky Böhme, Gründer von StudiKI über sein Produkt

StudiKI berücksichtigt für diesen Lerndialog Schultyp, Fachtyp, Lehrbücher, Lehrpläne, Alter und Klasse. Es gehört in den Bereich EdTech, also in eine Branche, in der technische Lernlösungen entwickelt werden.

Die erste Gründungsphase konnten seine Frau und er aus eigenen Mitteln stemmen, Bootstrapping nennt sich das. Heute gehören 10 Prozent einem externen Investor (Stand 23.07.2026).

"Der größere Stellhebel ist sicherlich das zur Verfügungstellen oder das Möglichmachen des Investierens von Wagniskapital."
Andreas Kuckertz, Leiter Unternehmensgründungen und Unternehmertum, Universität Hohenheim

Mit den Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer in Deutschland kennt sich Andreas Kuckertz aus. Er leitet den Fachbereich Unternehmensgründungen und Unternehmertum an der Universität Hohenheim. Er sagt, für junge Menschen sei es relativ einfach, ein Unternehmen zu gründen. Etwa auch deswegen, weil es da an vielen Hochschulen und Unis Unterstützung gebe. aber dann werde es schwieriger.

Wachstum als Problem

"Der Anfang ist relativ einfach. Wenn etwas wachsen soll. Da haben wir so unsere eigenen Probleme", sagt er. Anders als in den USA sei es für junge Unternehmen in Deutschland sehr schwer, Wagniskapital zu bekommen. Wagniskapital ist Geld, was jungen Unternehmen direkt von Investoren zur Verfügung gestellt wird, indem die Investoren Miteigentümer werden. Sie tragen dann einen Teil des Risikos, können allerdings auch sofort profitieren, wenn das jungen Unternehmen Erfolg hat.

"Wir haben, darauf können wir stolz sein, eine der bestausgebauten Förderlandschaften der Welt."
Andreas Kuckertz, Leiter Unternehmensgründungen und Unternehmertum, Universität Hohenheim

Die Bundesregierung versucht, den momentanen Gründungsboom mit 150 Maßnahmen zu stützen. Der Moment ist gut gewählt. Im ersten Halbjahr 2026 gab es so viele Start-up-Neugründungen wie noch nie. Mehr als 3.000, die allermeisten im KI-Bereich. Start-up und Scale-up-Strategie nennt die Regierung ihre Initiative.

Die Ziele umfassen unter anderem:

  • Unternehmensgründungen sollen komplett digitalisiert werden.
  • Es soll mehr Geld vom Bund geben.
  • Gründerinnen und Gründer sollen leichter an privates und öffentliches Wagniskapital kommen.
  • Start-ups im Rüstungs- und Verteidigungsbereich sollen gezielt gefördert werden.
  • Gelder aus der privaten Altersvorsorge sollen künftig in Start-ups investiert werden können.

Die letztgenannte Maßnahme hält Andreas Kuckertz für besonders vielversprechend: "Ich denke, dass das größte Potenzial sicherlich in der Idee der Kapitalrente steckt."

"Ich finde es sehr schön, dass man explizit sagt: Start-ups, da müssen wir investieren"
Sky Böhme, Gründer von StudiKI, über die angekündigten Maßnahmen der Regierung

Die konkrete Idee sieht nun vor, dass ein kleiner Teil dieser Kapitalrente in die Asset-Klasse Start-up investiert wird. "Wenn wir das hinbekommen würden, dann hätten wir substanzielle Beträge, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in unsere Zukunft fließen würden", sagt Andreas Kuckertz. Insgesamt sei jedoch abzuwarten, was jetzt von den 150 Ansätzen eine Absichtsbekundung bleibt und was ein Prüfauftrag wird.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Start-up-Boom
Wie die Bundesregierung Gründer pushen will
vom 23. Juli 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartner: 
Sky Böhme, Gründer von StudiKi
Gesprächspartner: 
Andreas Kuckertz, Wirtschaftswissenschaftler, leitet die Fachgebiete Unternehmensgründungen und Unternehmertum an der Universität Hohenheim
Unsere Quellen: