Vermutlich habt ihr Post von eurem Stromanbieter bekommen: Ab Januar erhöhen viele die Preise und zwar im Durchschnitt um rund fünf Prozent. Mit dem neuen Klimapaket hat das nichts zu tun, aber mit Netzentgelt, EEG-Umlage und so weiter. Es ist kompliziert, so Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW. Er erklärt, warum der Strompreis steigt und ob ihr kündigen könnt.

Von rund 900 Energierversorgern in Deutschland haben knapp 500 angekündigt, ab Januar die Preise zu erhöhen. Falls also auch euer Strompreis ab 2020 steigen wird, dann seid ihr nicht allein. Und vermutlich werden auch die anderen Versorger nachziehen, so Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW. Im Durchschnitt wird der Strompreis um fünf Prozent steigen.

"Es ist eine Strompreiserhöhung von bislang ungefähr fünf Prozent, aber auf breiter Linie."
Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW

Die Preissteigerung lässt sich nicht mit dem vom Bundestag im November beschlossenen Klimapaket erklären, so Udo Sieverding. Die Auswirkungen werden für die Verbraucher und Verbraucherinnen erst später zu spüren sein.

Aber es gibt andere Erklärungen, warum die Strompreise steigen:

  • Am 15. Oktober wurde die EEG-Umlage neu festgelegt, so Udo Sieverding. Sie stieg um 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Mit der Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert.
  • Die Netzentgelte sind gestiegen, so Udo Sieverding. Zumindest in einigen der Netzgebiete in Deutschland. Die Steigerung hängt mit dem Netzausbau zusammen, der für die Erneuerbaren Energien notwendig wird. Aber ebenso geht es um Instandsetzung, so Udo Sieverding.
  • Außerdem ist der Beschaffungspreis gestiegen.

Diese Gründe führen die Stromversorger gerne an, um die Preissteigerung zu erklären. Skepsis ist hier immer gut. "Generell ist der Strompreis ein kompliziertes Thema", sagt Udo Sieverding. Es gibt neben den Beschaffungskosten zahlreiche andere Preiskomponenten: Umlagen, Abgaben, Steuern oder auch Befreiungen für die Industrie, die wiederum von den Verbraucherinnen und Verbrauchern getragen werden.

Der Strompreis sollte eigentlich stabil bleiben

Eigentlich hatte die Bundesregierung versprochen, dass die Strompreise stabil bleiben. "Das war auch eine wichtige Forderung der Kohlekommission", sagt Udo Sieverding. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten nicht das Gefühl haben, dass der geplante Ausstieg aus der Kohle zu höheren Strompreisen führt.

Falls ihr nun Post vom Stromversorger bekommen habt, schaut euch diese gut an. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher haben mittlerweile sogenannte Sonderverträge, die ohnehin jedes Jahr kündbar sind.

"Man kann einfach sicherheitshalber jedes Jahr den Anbieter weiterwechseln. Damit macht man sowieso nichts falsch."
Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW

Durch die Preiserhöhung habt ihr zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht. Und ansonsten könnt ihr Jahresverträge sehr einfach kündigen.