Die Chancen einer neuen milliardenschweren Exzellenzinitiative für die Forscher-Elite stehen nicht gut. Hamburg will dem Regelwerk nicht zustimmen, das die Ministerpräsidenten der 16 Länder und die Kanzlerin am Donnerstag unterschreiben sollen. In Berlin ist die Unruhe groß.

Es gibt Länder, in denen reicht es, zu sagen, an welcher Uni man studiert, um zu wissen: Aha, aus dem wird mal was. Die ETH Zürich, Harvard, Oxford - das sind Spitzenunis. In Deutschland funktioniert das so nicht. Richtige Elite-Unis gibt es hier nicht. Zumindest gab es sie nicht.

Demo gegen Elite-Konzepte

In dieser Woche treffen sich die Ministerpräsidenten. Sie wollten eigentlich nur eine Verlängerung der Exzellenzinitiative durchwinken - aber jetzt stellt sich Hamburg quer. Der Regierende Bürgermeister, die Uni-Chefs und viele Studierende - der AStA hat zu einer großen Demo aufgerufen. Sie zweifeln daran, was das ganze Geld bislang eigentlich bewirkt hat.

"Unsere Elite-Unis stehen vor allem im Süden und in Berlin - aber nicht im Norden."
Sandra Pfister, Bildungsjournalistin

Es gibt aktuell genau elf. Zum Beispiel die RWTH Aachen, die beiden Berliner Hochschulen oder die TU München. Sie haben eine Auszeichnung und Geld bekommen für ihre vielversprechenden Zukunftskonzepte.

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Schon beim groben Hinschauen finden sich schnell drei Fehler in diesem Bild.

  • Erstens: Elf mal Elite?
"Andere Länder haben drei, vier fünf Top-Hochschulen - da können wir nicht innerhalb weniger Jahre auf einmal elf haben."
Sandra Pfister
  • Das zweite Problem ist: Diese elf tauchen international immer noch nicht weit vorne auf in einem der internationalen Rankings.
  • Und das dritte, was einen stutzig macht: "Zukunftskonzept?" Die Unis schreiben auf, wie sie werden wollen, sie werden nicht danach bewertet, wie sie sind. Versprechen kann man viel.

Nicht mehr, als ein tolles Hochglanzpapier?

Was wissenschaftlich rausgekommen ist, bei der Exzellenzförderung, das lässt sich gar nicht genau messen, das sei Stochern im Nebel, sagt Sandra Pfister. Ziemlich sicher sagen lässt sich, dass die Unis mittlerweile genau wissen, was sie schreiben müssen, damit es gut klingt für die Gutachter.

"Das ständige Antragstellen führt auch dazu, dass die Dozenten und Professoren immer weniger Zeit haben für die Lehre."
Sandra Pfister

Die Wissenschaftler tauchen also immer weniger vor ihren Studierenden auf. Die Studierenden haben also oft gar nichts von der Exzellenzinitiative. Die an den Elite-Unis profitieren vielleicht von deren Renommee. Aber von der Forschung kriegen sie oft im Studium erst mal wenig mit. Und nur die zählt bei der Exzellenzinitiative.

"Es spielt überhaupt keine Rolle, wie gut Wissen vermittelt wird, wie gut die Lehre ist."
Sandra Pfister

Aber wenigstens haben doch viele junge Wissenschaftler profitiert, sagen die Befürworter der Exzellenzinitiative. Es gab mehr als 40 Graduiertenkollegs, also Stipendien für junge Wissenschaftler.

Der zweite Blick

Auf den ersten Blick sei das auch positiv, sagt Sandra Pfister. Aber auf den zweiten Blick müsse man das gewaltig einschränken.

"Da wurden viele junge Leute für ein paar Jahre angefüttert mit der Aussicht auf eine wissenschaftliche Karriere, aber am Ende gibt es doch nicht mehr dauerhafte Stellen für sie."
Sandra Pfister

Viele wurden dazu verführt, die Entscheidung, ob sie wirklich Wissenschaftler werden wollen, noch ein bisschen nach hinten zu schieben, so Sandra Pfister.

Keine positive Bilanz

Immerhin eines hat die Exzellenzinitiative geschafft: Dass ein paar deutsche Unis international ein bisschen bekannter geworden sind. Aber nur ein bisschen. Aber man muss auch fair bleiben, sagt Sandra Pfister. Wer könnne erwarten, dass zehn Jahre reichen, um in Deutschland ein kleines Harvard aufzubauen? Bei einer so schlechten Finanzierung?

"Wenn man das ganze Geld für zehn Jahre Exzellenzinitiative einer einzigen deutschen Uni geben würde, dann wäre sie endlich so gut finanziert wie Cambridge oder Harvard."
Sandra Pfister

Wir sprechen hier von 500 Millionen Euro. Wenn jetzt am Donnerstag (16.06.2016) die nächste Förderrunde von Politikern abgenickt werden soll, stellt sich Hamburg quer. Denn die Hansestadt hat noch nie eine Exzellenzuni abbekommen.

Vielleicht geht es jetzt erst mal gar nicht weiter

Und die Hamburger haben das Gefühl: Die Bedingungen bei der nächsten Runde sind so, dass die Unis, die schon dabei sind, schon grobe Fehler machen müssen, um abzusteigen. Und wenn das oben ein geschlossener Zirkel wird, dann haben viele Länder niemals mehr die Chance, einer ihrer Unis ein Exzellenzlabel aufzukleben. Das ärgert nicht nur Hamburg, sondern fast alle Länder in
Norddeutschland, denn die gingen bis jetzt immer leer aus.