Die Energiekosten steigen und der Trend setzt sich voraussichtlich in den kommenden Jahren fort. Wer den Anbieter wechseln möchte, sollte ein paar Dinge dabei beachten.

Den Stromanbieter zu wechseln, das haben sich sicherlich viele schon einmal überlegt, aber den Plan dann nicht umgesetzt. Denn es erfordert schon etwas Zeit zu recherchieren, welcher Anbieter der passendste ist.

Christina Wallraff arbeitet für die Verbraucherzentrale NRW und sagt, dass ein Anbieterwechsel gar nicht so aufwendig sei und nur etwa eine Stunde unserer Zeit kostet.

Eine Stunde klingt möglicherweise immer noch viel für die eine oder den anderen, allerdings lässt sich so eventuell Geld sparen und vielleicht sogar etwas Gutes für die Umwelt tun.

"Es ist viel mehr Wert als Ökostrom zu beziehen, wenn man Strom spart oder versucht, Strom selbst aus erneuerbaren Energien zu erzeugen."
Christina Wallraff, NRW Verbraucherzentrale

Wer sich einen Überblick über Stromanbieter verschaffen möchte, kann dafür Vergleichsportale nutzen, empfiehlt Christina Wallraff von der Verbraucherzentrale NRW.

Dabei sei es wichtig, die Voreinstellungen bei diesen Portalen auf jeden Fall anzupassen, sagt die Referentin für Energiemärkte. Damit sichern wir uns möglichst verbraucherfreundliche Bedingungen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Möglichst kurze Kündigungsfristen
  • Eine kurze Vertragslaufzeit
  • Einen möglichen Wechselbonus sollte man nicht in die Gesamtkosten hineinrechnen lassen, weil es ein einmaliger Betrag ist, weil es die Höhe der Gesamtkosten verschleiern könnte
  • Kundenempfehlungen oder direkten Wechselmöglichkeiten ausklicken, damit wir einen breiten Marktüberblick erhalten und nicht nur Angebote, hinter denen möglicherweise eine Provisionsbeziehung zwischen Anbieter und Portal steckt
"Wenn eine Preiserhöhung ins Haus steht, dann hat man Sonderkündigungsrecht."
Christina Wallraff, NRW Verbraucherzentrale

Wenn unser Anbieter die Strompreise erhöht, erhalten wir ein Sonderkündigungsrecht. Allerdings ist diese befristet.

Das bedeutet, dass wir bis zu dem Zeitpunkt, an dem die neuen Preise wirksam werden, den Vertrag kündigen können, selbst wenn die eigentliche Vertragslaufzeit zum Beispiel noch weitere elf Monate beträgt.

Wir haben dann möglicherweise rund vier Wochen Zeit, um unseren alten Vertrag zu kündigen und uns einen neuen Anbieter zu suchen. Christina Wallraff rät dazu, auf alle Fälle den Vertrag selbst zu kündigen, um diese Frist nicht zu verpassen, was passieren kann, wenn wir die Kündigung unserem Neuanbieter überlassen.

Am allerbesten: Strom sparen oder selbst erzeugen

Besser als nur den Anbieter zu wechseln und beispielsweise zu einem Ökostromanbieter zu wechseln, sei es, möglichst viel Strom einzusparen, sagt Christina Wallraff. Dafür kann man einen alten Kühlschrank durch ein stromsparenderes neues Modell ersetzen.

Oder selbst Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Das geht beispielsweise schon mit einer kleinen Fotovoltaikanlage auf dem eigenen Balkon, falls ihr einen habt.
"Ökostrom, das ist ein kompliziertes Konstrukt, das muss man wirklich sagen."
Christina Wallraff, NRW Verbraucherzentrale

Außerdem seien Ökostromanbieter nicht unbedingt immer die bessere Wahl. Oft seien solche Angebote nicht nachhaltiger.

Wer trotzdem unbedingt Ökostrom haben wolle, sollte sich darüber informieren, ob die Unternehmen nachhaltig ausgerichtet seien.

Auf nachhaltige Ausrichtung achten

Also, dass es sich um einen Anbieter handelt, der sich für die Energiewende einsetzt und nicht um einen Stromversorger, der sich die entsprechenden Herkunftsnachweise gekauft hat, um seinen Strom "grün zu färben", sagt Christina Wallraff.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW gibt es zwei Label, die die nachhaltigsten Ökostromtarife zertifizieren: OK-Power und das Grüner-Strom-Label.