Durchschnittlich jeder zehnte Deutsche spürt Einsamkeit. Dabei sticht eine Altersgruppe heraus: die zwischen 20 und 29 Jahren. Sie fühlen sich sogar einsamer als Senioren.

Die gute Nachricht zuerst: Weniger Menschen in Deutschland fühlen sich einsam, das besagt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Während sich 2013 noch rund 10,5 Prozent einsam fühlten, waren es 2017 noch 9,5 Prozent. Die Datengrundlage bildete das Sozio-ökonomische Panel, eine repräsentative Langzeitbefragung in Deutschland, bei der rund 30.000 Personen in 15.000 Haushalten befragt werden.

Twentysomethings einsamer als Senioren

Den Forscherinnen zufolge, sticht allerdings eine Gruppe heraus: die 20- bis 29-Jährigen. 29 Prozent aus dieser Gruppe sagten 2017, dass sie sich einsamer fühlten. Bei den Senioren fühlen sich im Vergleich 26 Prozent einsamer als bei der ersten Befragung.

Aber warum fühlen wir uns in den Zwanzigern eher einsam? Studium, erster Job, erster Umzug – gerade in diesem Alter hätten viele Menschen Umbrüche in ihrem Leben. Damit verbunden sei oft auch, dass sich das soziale Umfeld ändere und genau das könne zu Einsamkeit führen, sagt Anja Katrin Orth. Sie hat die Studie gemeinsam mit ihrer Kollegin Theresa Eyerund durchgeführt.

"Gerade in den jungen Altersjahren beginnt man den ersten Job, fängt das Studium an, zieht um oder hat andere Umbrüche in seinem Leben. Die sind häufig damit verbunden, dass man alte soziale Kontakte abbrechen muss und sich neu finden muss, neue Kontakte finden muss. Und das kann dann häufig mit Einsamkeit verbunden sein."
Anja Katrin Orth, Ökonomin für Institutionen- und Verhaltensökonomik

Ob einsame Surfer vor Smartphones eher gefährdet sind, müsse erst erforscht werden, so Anja Katrin Orth. Social Media könne zwar depressiv machen durch Vergleiche und oberflächliche Kontakte. Aber andererseits könnten die sozialen Medien Menschen genauso gut verbinden.

Angebote gegen Einsamkeit

Anja Katrin Orth sieht besonders Arbeitgeber oder Universitäten in der Pflicht: Sie sollen mehr Angebote für die Neueinsteiger machen, damit diese neue soziale Kontakte knüpfen können. Aber freiwillig soll das Ganze sein.

"Da sehen wir ein dickes To-Do bei Arbeitgebern, aber auch bei Universitäten, da gegenzusteuern und Hilfe in Form von Patenschaften oder weiteren Freizeitangeboten anzubieten."
Anja Katrin Orth, Ökonomin für Institutionen- und Verhaltensökonomik