Die Regelstudienzeit ist wohl eher eine Ausnahmestudienzeit - nur vier von zehn Studenten schaffen nach sechs Semestern den Bachelor und nach vier den Master - sagt das Statistische Bundesamt.

Das Statistische Bundesamt bezieht sich auf Daten für das Jahr 2014. Wir haben uns gefragt, ob nur die verwöhnten Richkids oder Superstreber ihr Studium in der Regelstudienzeit schaffen. Zumindest bei Facebook waren sich viele einig. Unsere Kollegin Julia Demming war zum Beispiel in-time fertig. Sie musste allerdings trotzdem neben ihrem Studium arbeiten. BAföG allein hätte ihr nicht gereicht, um ihr Studium zu finanzieren.

"Durch den Zeitdruck hatte ich dann doch einige Fächer mehr so als Notlösung, um meine Punkte rechtzeitig zusammenzukriegen."
Julia Demming, DRadio Wissen

Wer in Regelstudienzeit studieren möchte, muss manchmal Kurse belegen, die grad da sind, denn die Auswahl an Seminaren ist begrenzt. Manch ein Kurs wird nicht jedes Jahr angeboten. Darum hat Julia, die Sozialwissenschaften und Spanisch studiert hat, auch schon mal ein Seminar belegt über die phonetische Entwicklung des Diphtongs im spanischsprachigen Raum, obwohl das gar nicht ihr Lieblingsthema gewesen ist.

Julia Demming hat gehofft - was die Themen angeht - im Studium freier zu sein als in der Schule: "Anfangs hatte ich auch die Illusion, dass ich viel mehr Freizeit haben würde, mit den ganzen Semesterferien und so - aber im Endeffekt musste ich dann doch meistens noch für Klausuren lernen oder Hausarbeiten schreiben. Das war jetzt nicht das wildeste Studentenleben."

Regelstudienzeit als Richtwert

Wer kein BAföG bekommt und wenn die Eltern das Studium finanzieren, kann es entspannter angehen. Mal abgesehen davon ist die Regelstudienzeit auch nur ein Richtwert. Mit Familie oder Job, ist das Studium innerhalb der Regelstudienzeit meistens nicht zu schaffen, sagt auch das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.

"Studenten sollten auch mal eine Vorlesung besuchen, die nicht auf dem Lehrplan steht, oder sich Zeit für ein Praktikum oder einen Auslandsaufenthalt nehmen."
Kolja Briedis, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung