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Die Zahl der Syphilis-Diagnosen in Deutschland nimmt zu. 2019 wurden dem Robert Koch Institut 7889 Fälle der Geschlechtskrankheit gemeldet - 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg hängt auch mit einer sinkenden Angst vor Aids zusammen.

Syphilis gehört zur Gruppe der sexuell übertragbaren Krankheiten. Das Problem: Die Symptome sind sehr unterschiedlich. Oft erkennen Infizierte eine Syphilis nicht sofort.

"Die gute Nachricht ist, man kann die behandeln", sagt Yael Adler, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin, denn schließlich gebe es heute Antibiotika. Das sei der große Unterschied zu früher, als noch viele Menschen an der Krankheit gestorben sind.

"Man erkennt sie nicht so leicht. Sie kann verschiedene Symptome entwickeln."
Yael Adler, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Im ersten Stadium äußert sich eine Infektion etwa in Form eines kleinen roten Knötchens in der Region, die beim sexuellen Kontakt betroffen war: der Anus, der Mund oder der Genitalbereich. Die benachbarten Lymphknoten schwellen an. "Das nennt man dann den Harten Schanker", sagt Yael Adler, "das ist sehr ansteckend." Dieses Stadium erreicht die Syphilis ungefähr drei Wochen, nachdem man sich angesteckt hat. Oft platz das Knötchen dann auf und wird zu einem schmerzlosen Geschwür.

"Kein Mensch ist gefeit vor so einer Infektionserkrankung."
Yael Adler, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Acht Wochen nach der Infektion können sich Infizierte grippig fühlen, eventuell haben sie Muskel- und Gelenkschmerzen, Ausschläge mit Flecken oder Knubbeln. In manchen Fällen ist auch Haarausfall eine mögliche Folge. "Auch in der Zeit ist man infektiös, aber nicht mehr ganz so sehr", so die Ärztin.

Die Bakterien können Organe und Gehirn befallen

Die Bakterien verteilen sich dann im ganzen Körper und verbleiben in Milz und Lymphknoten. "Spätestens dann wäre es toll, wenn man das entdecken und behandeln würde", sagt Yael Adler. Denn wenn man noch viel Zeit vertsreichen lässt, dann folgen weitere Stadien, die sich zwei bis 40 Jahre nach der Ansteckung entwickeln: faulende Aufweichungen in den Organen, in der Hauptschlagader, im Rückenmark oder im Gehirn. In diesem Stadium ist man zwar nicht mehr infektiös, allerdings kann die Krankheit unbehandelt dann auch zum Tod führen.

"Dann ist die Erkrankung unbehandelt leider auch tödlich."
Yael Adler, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Hotspots der Syphilis-Verbreitung sind Großstädte wie Hamburg, Köln, Frankfurt und vor allem Berlin: "Ich weiß von Kollegen aus der Infektiologie, dass man hier – manchmal auch unter Drogen – 60 bis 80 ungeschützte Sexualkontakte an einem Wochenende haben kann. Und da steigt natürlich das Risiko." Yael Adler sagt aber auch, dass die Krankheit jeden treffen kann. Es sei keine Infektion, die nur in Darkrooms weitergegeben werde.

"Man sollte sich entsprechend schützen."
Yael Adler, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Eine Erklärung, warum die Zahlen steigen: In den 80er Jahren hatten viele Menschen Angst vor dem damals noch relativ unbekannten HI-Virus und vor Aids. In den Medien wurde viel darüber berichtet, und das hatte zur Folge, dass Menschen vorsichtiger waren, häufiger Kondome verwendeten – und sich damit automatisch auch gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten schützten.

Sinkende Angst vor Aids befördert den Anstieg von Geschlechtskrankheiten

Heute lässt sich HIV behandeln, so dass Infizierte gut damit leben können. Die Bedrohung habe abgenommen, so die Dermatologin. Deswegen seien viele Menschen unvorsichtiger und hätten ungeschützten Sex. Die Folge: Auch andere Geschlechtskrankheiten sind inzwischen wieder weiter verbreitet.