Das Dorf Mlali liegt mitten in der Steppe Tansanias. 40 Frauen haben sich dort zusammengetan und eine Bank gegründet. Die besteht zwar nur aus einer kleinen Eisentruhe, aber sie hilft ihnen, Geld zu sparen und es im Notfall zu nutzen.

In Mlali gibt es wirklich nicht sehr viel. An die 30 Lehmhütten, rundherum nur Steppe. Das nächste Krankenhaus ist drei Stunden entfernt. Die Hütten sind kärglich eingerichtet. Die Menschen verdienen wenig und müssen mit dem Nötigsten zurechtkommen.

"Wir sind 40 Frauen. Einmal pro Monat versammeln wir uns. Bei dem Treffen zahlt jede Frau 40.000 Schilling ein. Nach zehn Monaten teilen wir das Geld untereinander auf."
Hawa, eine Frau aus dem tansanischen Dorf Mlali

Und es darf kein Notfall passieren, der Geld erfordert. Zumindest war es bis jetzt so. Inzwischen haben 40 Frauen aus Mlali sich zusammengetan und ihre erste eigene Bank gegründet. Keine Bank, wie wir sie uns vorstellen. Sie hat keine Schalter, keine Mitarbeiter, keinen Kontoauszugsdrucker und keine Automaten: Die Bank wird "Wikoba" genannt und besteht aus einer eisernen Truhe mit drei Schlössern. Alle drei Frauen, die jeweils einen Schlüssel besitzen, müssen also anwesend sein, damit sie geöffnet werden kann.

Einmal im Monat zahlen die Frauen aus dem Dorf Mlali in ihre "Bank" ein

Frauen mit einer Eisentruhe in Tansania.
© DRadio Wissen | Julia Amberger

Allen fällt es schwer, sich von dem bisschen, was sie haben, etwas abzusparen. Dadurch, dass es 40 Frauen im Dorf tun, fühlt sich jede einzelne in der Verantwortung, das gemeinsame Ziel einzuhalten. Pro Monat zahlt jede 40.000 Schilling ein, das sind umgerechnet rund 20 Euro. Nach zehn Monaten lassen sich die Frauen das Geld auszahlen oder kaufen etwas für die Gemeinschaft.

"Auf mich wirkt die Wikoba eher wie eine Spendenorganisation, auch wenn die Frauen von einer Bank sprechen. Obwohl sie selbst arm sind, helfen sie anderen."
Eine Ärztin, die in Tansania eine NGO für Bildung und Aufklärung gegründet hat

Die Bank hat sich schon einmal im Notfall bewährt. Eine schwangere Frau hatte Probleme bei der Geburt. Der Weg zum nächsten Krankenhaus dauert drei Stunden, in der ganzen Region gibt es sechs Krankenwagen und ein Taxi. Es hätte zu lange gedauert, einen Krankenwagen kommen zu lassen. Der Taxifahrer hat sich nur darauf eingelassen, die Frau zu fahren, weil die Frauen aus Mlali ihm Bargeld aus ihrer Bank geboten haben. Dadurch konnte die Schwangere rechtzeitig ins Krankenhaus gefahren werden und brachte per Kaiserschnitt ein gesundes Kind zur Welt.