15.000 Menschen pilgern jedes Jahr zum Wai-Kru-Festival in Thailand. Viele von ihnen lassen sich dort tätowieren, versinken dabei in Trance. Diese Trance ist aber nur die Vorstufe zu einer Art kollektivem Wahnsinn. Igor aus Kroatien hat daran teilgenommen und so zu neuem Glauben gefunden.

Igor ist 32 Jahre alt und aus Zagreb, lebt aber schon seit einiger Zeit in Bangkok. Bereits voriges Jahr hat sich auf dem Wai-Kru-Festival ein Tattoo stechen lassen. Von den buddhistischen Mönchen in Tätowierräumen auf ihrer Tempelanlage. Mit 60 Zentimeter langen, recht dicken Nadeln bearbeiten sie die Gläubigen, langsam und rhythmisch. Vor und nach jeder Zeremonie segnen sie die Tätowierung und seinen Besitzer mit einem Mantra.

"Am Anfang war es sehr schmerzhaft und dann plötzlich sind meine Gedanken abgeschweift. Ich fing an, an Fußball zu denken. Ich war in Europa. Ich war nicht mehr hier, ich bin irgendwo hin gereist."
Igor

Viele Tätowierte geraten in Trance: Sie bekommen ihr Tattoo, dann schreien und krümmen sie sich. "Etwas ergreift von ihnen Besitzt", sagt Igor, "ein Dämon oder ein Tier." Und so benehmen sie sich auch: Auf dem Vorplatz der Tempelanlage scheint kollektiver Wahnsinn zu herrschen. Immer wieder stehen einzelne Menschen auf, verkrampfen am ganzen Körper, brüllen.

Die heilige Zeremonie öffnet den Geist

Das zieht sich über zwei Stunden hin. Als die Mönche sich in Bewegung setzen und mit der eigentlichen Zeremonie beginnen wollen, eskaliert die Situation. Die Menschen drehen massenweise durch, sie rennen alle in Richtung Bühne, ein kollektives Ausrasten. Igor ist irgendwo mittendrin. Und als dann die heilige Zeremonie beginnt, ist plötzlich alles vorbei: Die Mönche setzen sich und beten Verso - mehr als zehntausend Menschen tun es ihnen gleich.