Als am Freitag die Anschläge in Paris passierten, zeigte sich die Schwäche der klassischen Medien: Sie hinkten hinter den Ereignissen her. Bei Twitter und Periscope gab es Informationen in Echtzeit - allerdings fehlte da die Einordnung. Also doch zurück zu den klassischen Medien?

Die ARD übertrug gestern das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Frankreich als um 21:20 Uhr vorm Stade de France die ersten Explosionen zu hören waren. In derselben Zeit lief beim ZDF eine Serie. In dieser Situation zeigte sich: ARD und ZDF hatten Schwierigkeiten in Echtzeit darauf zu reagieren. In der ARD lief noch die Sportschau, darin Interviews mit Sportfunktionären, unterbrochen von Tagesschau-Spezial-Ausgaben. Genau das kritisierten viele Twitteruser. Meedia.de fasst die Diskussion zusammen.

Periscope - pro und contra

Wer die Ereignisse in Echtzeit mitverfolgen wollte, musste zu einem der klassischen Newskanäle wie BBC oder France 24 umschalten. Oder, noch besser, sich bei Twitter und Periscope informieren. DRadio-Wissen-Autorin Donya Farahani hat genau das gemacht: Sie hat sich bei Periscope ein paar Livestreams angeschaut, darin zu sehen zum Beispiel ein Franzose, der sich hinter einem Auto versteckt. Das Problem: "Es gab ja keine Einordnung, und ich wusste nicht, stimmt das, was der da erzählt. Also habe ich das ausgemacht und gewartet auf die Tagesschau, Spiegel Online und das ZDF."

Zurück zu den klassischen Nachrichtenkanälen?

Gerade in solchen Ausnahmesituationen wie gestern in Paris sind Zuschauer, Leser und User auf eine Einordnung des Geschehens angewiesen. Und die gibt es nun einmal nicht in Echtzeit. Das sieht auch der Journalist Udo Stiehl so, der auf seinem Blog schreibt: "Wer verlässliche Berichterstattung wünscht, braucht vor allem eines: Geduld. Und wer die nicht aufbringen möchte, weil er glaubt, Journalisten könnten hexen, zaubern oder sonstige Wunder vollbringen, dem können wir - ganz ehrlich - nicht helfen."

Das Bedürfnis vieler Zuschauer, so schnell wie möglich fundiert informiert zu werden, kann Udo Stiehl nachvollziehen. Trotzdem appelliert an die Medienkonsumenten, den Fernsehsendern Zeit zu lassen. Und er wünscht sich, dass die Zuschauer ein paar Sachen verstehen:

  • Sportjournalisten, die über ein Fußballspiel berichten, sind nicht darauf vorbereitet, dass eine solche Krisensituation entsteht
  • in so einer Situation entsteht vieles spontan, da kann es auch zu Fehlern und Missverständnissen kommen
  • In Nachrichtenredaktionen und -agenturen arbeiten Menschen
  • Recherche kostet Zeit und das sollte sie uns wert sein