Im Osten ist die AfD nicht nur die Partei der Alten. Ganz im Gegenteil: Bei den Unter-30-Jährigen ist die AfD bei der Landtagswahl in Thüringen stärkste Kraft geworden. Was motiviert Erstwähler, ihr Kreuz bei der AfD zu machen? Unsere Reporterin Lily Meyer hat sie getroffen.

Schmölln, ein 12.000 Seelen-Örtchen in der Thüringer Provinz: Kleinstadt-Idylle und AfD-Hochburg. Bei den Landtagswahlen haben mehr als 50 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Auch bei den jungen Wählern liegt die AfD im Wahlkreis "Altenburger Land I" ganz vorne. Mit 24 Prozent Stimmenanteil ist sie bei den Unter-30-Jährigen stärkste Kraft geworden. Knapp dahinter landet Die Linke mit 22 Prozent. Weit abgeschlagen dann die Grünen mit gerade einmal 11 Prozent.

Unsere Reporterin Lily Meyer ist nach Schmölln gefahren – auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Was bewegt junge Wähler, die AfD zu wählen? Für Lily Meyer steht nach ihrer Recherche fest: Die Unzufriedenheit auf dem Land ist groß – bei Alt und bei Jung.

"Wenn Leute besonders unzufrieden sind, wählen sie eher die AfD – und wenn sie im ländlichen Raum wohnen. Das betrifft eigentlich alle Altersgruppen."
Lily Meyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Migration bewegt die Jugend

Auf dem Marktplatz, zwischen bunten Fachwerkhäusern und dem geschichtsträchtigen Brunnen, unterhält sich Lily Meyer mit jungen Wählern. Der häufigste Grund, warum ihre Stimme an die AfD ging: das Thema Migration. Es seien einfach zu viele Migranten in der Stadt, hört sie von den jungen Leuten immer wieder – ihren Klarnamen wollen sie unserer Reporterin aber nicht nennen.

"Ich sage mal so, vor zwei Jahren waren nicht so viele hier. Und jetzt sind es Übermaßen. Du läufst die Straße lang und siehst fünf, sechs oder so."
AfD-Erstwählerin

Auch Björn Höcke komme bei den Jungwählern in Schmölln gut an. Niemand habe ein Problem mit ihm, erzählt Lily Meyer. Ganz im Gegenteil: Weder Höcke noch die AfD seien rechtsextrem, sagt eine Erstwählerin.

"Es wird behauptet, dass die Reden von Höcke wie die von Himmler klingen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Und dass man den Herrn Höcke als Nazi bezeichnet, das finde ich unter aller Sau. "
AfD-Erstwähler

Eltern beeinflussen die Wahlentscheidung

Doch die jungen Leute wählen nicht nur wegen der Migrationspolitik die AfD, sagt Politikwissenschaftler André Brodocz. Er forscht zum Thema an der Uni Erfurt. Seine Ergebnisse zeigen: Zur Wahlentscheidung tragen vor allem die Eltern bei. Denn Jugendliche unterhalten sich eher mit ihren Eltern über Politik als mit ihren Freunden. Das haben die Jungwähler auch Lily Meyer in Schmölln erzählt.

"Das habe ich tatsächlich auch von einigen Schmöllnern gehört – dass sie wählen, wie der Rest ihrer Familie."
Lily Meyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Lily berichtet aber auch, dass nicht nur das Thema Migration die Jugend in Schmölln bewegt, auch andere Themen, wie etwa die Steuerpolitik und Löhne, spielten eine Rolle bei der Wahlentscheidung.