Der Feldhamster wurde auf Feldern lange bekämpft. Jetzt ist er vom Aussterben bedroht. Um ihn zu schützen, tun sich Tierschützerinnen und Landwirte zusammen und arbeiten Hand in Hand.

Er ist ungefähr so groß wie ein Meerschweinchen, baut meterlange unterirdische Gänge und hat die Backen oft voll mit Feldfrüchten und Getreide: der Feldhamster. In Deutschland gibt es nur noch wenige von ihm. Das Nagetier ist vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands. Auch weltweit steht es um den Feldhamster kaum besser.

Vom "Problemtier" zum Schutzbedürftigen

In der Landwirtschaft wurde das Nagetier lange als Problem angesehen. Denn: Der Feldhamster mag vor allem Böden, in denen er gut graben kann, wie Lösslehmböden. Auf solchen Böden lässt sich auch besonders gut Getreide anbauen.

Die bewirtschafteten Getreidefelder gefallen wiederum auch dem Feldhamster, weil er sich in den hohen Gräsern vor Fressfeinden verstecken kann. Und dort auch genug Korn für seinen Winterschlaf sammeln kann – pro Tier können das ein bis zwei Kilogramm sein.

Als Landwirtinnen und Landwirte ihre Felder noch weniger intensiv als heute genutzt- und ihre Felder vor allem mit eigener Muskelkraft bestellt haben, war ihnen das Getreide hamsternde Nagetier nicht willkommen. Als Folge haben sie es gejagt und die unterirdischen Gänge des Feldhamsters unter Wasser gesetzt.

Intensive Landwirtschaft schadet dem Feldhamster

Seitdem in der Landwirtschaft besonders wirtschaftlich gedacht wird und es darum geht, einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen, geht es dem Feldhamster zusätzlich schlechter. Der Einsatz von Pestiziden, effizienten Maschinen und eine frühere Ernte machen es dem Feldmaster schwer, genug Korn und Schutz in den Getreidefeldern zu bekommen. Ab Ende Juli sind die abgeernteten und umgepflügten Felder eine Art Wüstenlandschaft für den Feldhamster.

Zusammen arbeiten und den Feldhamster retten

In manchen Bundesländern ist er deswegen komplett ausgestorben. Niedersachsen möchte das Nagetier jetzt retten und geht mit einem speziellen Projekt zum Arten- und Klimaschutz einen eigenen niedersächsischen Weg. Dafür kooperieren unter anderen Landwirtinnen und Landwirte wie Marion und Clemens Gerhardy aus Algermissen bei Hildesheim mit der Deutschen Wildtier Stiftung.

Ihr Ziel: Die Felder sollen dem Nagetier wieder Korn und Schutz geben – und ihn so am Leben halten. Dafür sind die Felder der Gerhardys in drei Teile aufgeteilt:

  • Außen ist schwarzer Ackerboden, den die Landwirte für die nächste Ernte vorbereiten können
  • Dann kommt ein abgemähter Grünstreifen
  • Und in der Mitte – der größten Fläche des Feldes – stehen die ungefähr 50 Zentimeter hohen Strohhalme. Nur die Ähren sind abgeschnitten für die Ernte.
Das Feld der Gerhardys mit der Einteilung für ein Hamsterschutzprojekt.
© Deutschlandfunk Nova
Das Feld der Gerhardys mit der Einteilung für ein Hamsterschutzprojekt.
Wir wollten den Feldhamster bewusst außen nicht haben – da würde er gleich auf die Straße gehen. Der Feldhamster ist jetzt mitten im Feld."
Clemens Gerhardy, Landwirt aus Algermissen bei Hildesheim

Durch die hohen Strohhalme bleibt der Feldhamster von Fressfeinden wie Greifvögeln unentdeckt und auf dem Boden findet er Korn, das beim Ernten runtergefallen ist, erklärt Landwirt Clemens Gerhardy. Dadurch können die Landwirte den wertvollsten Teil der Pflanze, das Korn, komplett verwerten.

Den kleinen Verlust, den sie in der Zeit machen, in der sie die Strohhalme stehen lassen, zahlt ihnen die Stiftung.

"Wenn man den Feldhamster schützen will, muss man ihn da schützen, wo er vorkommt: Der Feldhamster lebt auf landwirtschaftlichen Flächen und braucht die Bewirtschaftung durch die Landwirte."
Nina Lipecki, Regionalkoordinatorin für die Deutsche Wildtier Stiftung