Tot ist nicht einfach tot - und deshalb werden Verstorbene untersucht. Ob der Mensch eines natürlichen Todes gestorben ist oder nicht, interessiert die Polizei und Staatsanwaltschaft. Aber an welcher Krankheit ein Mensch stirbt, fließt in die Todesursachenstatistik ein, die die Grundlage unserer Gesundheitsfürsorge bildet. Das Problem: Viele Leichenschauen sind fehlerhaft.

Jeder Tote muss untersucht werden, in Deutschland geschieht das rund 800.000 bis 900.000-mal pro Jahr. Routine, könnte man meinen, doch viele Leichenschauen sind fehlerhaft. Der häufigste Fehler: Die Leiche wird nicht entkleidet, erzählt der Medizinethiker Dominik Groß. Teils aus falscher Pietät oder Rücksichtnahme gegenüber den Angehörigen, teils, um die ganze Untersuchung einfach abzukürzen.

"Es kann aber auch sein, dass man unsicher ist, weil man mit Leichenschauen als Arzt noch nicht zu tun hatte."
Dominik Groß, Medizinethiker

Die Folge: Leichenbeschauer stellten einen Totenschein aus, der nichts über die tatsächliche Todesursache aussage. "Die Todesursachen müssten sehr spezifisch sein, weil die Gesundheitsvorsorge davon abhängt. Aber wir haben häufig nichtssagende Ursachen wie zum Beispiel Herzversagen," stellt Dominik Groß fest.

Alle sterben an Herzversagen

Da jedes Leben irgendwann mit Herzversagen ende, sind solche Totenscheine nutzlos für die Statistik, sagt Dominik Groß. An welcher Erkrankung ein Mensch tatsächlich gestorben sei, bleibt somit ungeklärt. Erschwerend komme hinzu, dass nicht jede Leichenschau zweifelsfrei eine Todesursache zulässt, sagt Dominik Groß. Manchmal müsse man obduzieren, um sich wirklich sicher zu sein.

Mord übersehen

Kurios wird es, wenn der Leichenschauer den Toten nicht entkleidet und eine Stichwunde übersieht, berichtet Dominik Groß. In diesem Fall hat der Leichenbeschauer nicht nur die falsche Todesursache diagnostiziert, sondern auch noch die falsche Todesart und hätte Polizei und die Staatsanwaltschaft informieren müssen. Erst im Krematorium, wo der Tote entkleidet wurde, fiel die Verletzung auf.

"Eine schlechte Todesursachenstatistik bedeutet eine schlechte Gesundheitsfürsorge."
Dominik Groß, Medizinethiker

Warum die Statistik über die Todesursachen so wichtig ist? Sie gibt Aufschluss darüber, ob ein Mensch eines gewaltsamen oder natürlichen Todes gestorben ist. Außerdem entscheiden Politiker anhand der Statistik, wie die Erforschung von Krankheiten finanziert wird. Fehler in der Todesursachenstatistik können also fatale Folgen haben. Etwa wenn falsche Ziele in der Gesundheitsvorsorge gesetzt werden.