Hochhäuser, Leuchtreklamen, mehr als 37 Millionen Einwohner. Das ist Tokio. Klar, kennt man aus Filmen wie "Lost in Translation". Für den Korrespondenten Jürgen Hanefeld aber ist Tokio auch ein Ort der Ruhe.

Kann man in Tokio zur Ruhe kommen? Man kann. "Es gibt auch kleine Häuschen mit Garten.“ Und in genau so einem Haus arbeitet Jürgen Hanefeld, denn das Studio ist im Privathaus untergebracht. Einziges Problem: Wenn der Nachbarshund zu laut bellt. Und bis zum "Lost-in-Translation-Gefühl", also bis zu den bekannten Neonreklamen im Stadtzentrum, braucht die U-Bahn nur eine Viertelstunde.

Jürgen Hanefeld ist der Mann der ARD in Tokio. Zusammen mit seiner Frau, einer japanischen Mitarbeiterin und einer Katze ist er zuständig für Japan, Süd- und Nordkorea sowie Taiwan. Viel zu tun, also.

"Der Papst hat eine Hosentasche"

Gerade zum Beispiel war der Papst in Südkorea, 900.000 singende Menschen begrüßten ihn. Der Papst sprang spontan aus dem Papamobil und schüttelte Hände. Besonders fasziniert war Jürgen Hanefeld davon, dass das Kirchenoberhaupt einen Zettel zugesteckt bekam, den er einfach in der päpstlichen Hosentasche verschwinden ließ. "Faszinierend. Unter dem Talar hat der Papst eine Hosentasche."

Aber der Korrespondenten-Alltag kann auch ganz anders aussehen. Gleich nach der Rückkehr aus Südkorea gab es in Hiroshima ein Erdbeben mit mindestens 36 Toten. Jürgen Hanefeld sitzt in Tokio - das ist immerhin 700 Kilometer entfernt. Trotzdem ist er der Ansprechpartner für deutsche Radiosender. Also: Rein ins Netz, Agenturen lesen, telefonieren, Interviews geben.

"Seit Fukushima sind alle AKWs in Japan abgeschaltet, weil die Leute das nicht wollen. Die Angst sitzt in den Herzen der Menschen und ich kann das gut verstehen."
Jürgen Hanefeld, Korrespondent

Auch das Erdbeben von Fukushima und das dadurch verursachte Reaktorunglück sind noch immer sehr präsent. Und werden in Japan viel diskutiert, so Hanelfeld. Zuletzt sorgte ein Comic für Furore, in dem ein Junge wegen der Reststrahlung aus Fukushima Nasenbluten bekommt. Auch Jürgen Hanefeld selbst ist nicht ganz frei von Angst vor Strahlung. Immerhin fühlt er sich in Tokio relativ sicher, denn "die radioaktive Wolke hatte Tokio nicht erreicht." Trotzdem gebe es nach wie vor verstrahlte Lebensmittel: "Die Gefahr ist nicht weg, sie ist nur nicht mehr sichtbar."