Trashfilme sind beliebt, besonders bei gebildeten Männern. Filmwissenschaftler Keyvan Sarkosh hat die bizarre Faszination an skurrilen Plots untersucht und sich die eingeschworene Szene der Trashfilm-Liebhaber angesehen.

Es gibt zwei Sorten von Trashfilmen. Zum einen Filme, bei denen einfach kein Budget zur Verfügung stand, aber auch der Regisseur sein Handwerk einfach nicht besonders gut beherrscht hat. Ed Wood ist einer der bekanntesten Trashfilm-Regisseure. Seine Filme zeichnen sich durch billige Kulissen, schlechte Schauspieler und peinliche Dialoge aus.

Ed Wood hatte bekanntermaßen hohe Ambitionen, konnte diese aber nicht umsetzen und ist unfreiwillig gescheitert. Bekannt wurde Ed Wood durch das filmische Denkmal, das ihm der weltbekannte Regisseur Tim Burton 1994 mit dem gleichnamigen Film setzte.

Die Mutter aller Trashfilme: Plan 9 from outer space von Ed Wood

"Für die Liebhaber von Trashfilmen ist das Wort Trash - das übersetzt eigentlich Müll heißt - ein Qualitätsmerkmal. Es wertet den Film eher auf."

Trashfilme werden in erster Linie mit dem Adjektiv "billig" assoziiert, stellte Filmwissenschaftler Keyvan Sarkosh in seiner empirischen Studie fest. Filme wie der Ed-Wood-Klassiker "Plan 9 from outer space" haben das Genre und seine Rezeption maßgeblich geprägt. Ed Wood ist schon allein dadurch unvergessen, weil ihn Filmfans und Kritiker gleichermaßen gerne mal als schlechtesten Regisseur aller Zeiten bezeichnen.

Die zweite Sorte von Trashfilmen sind Kinoproduktionen wie Sharknado, die bewusst und unter professionellen Bedingungen produziert werden, um den Markt der Trashfilm-Liebhaber zu bedienen. Der kommerzielle Erfolg des ersten Sharknado-Films führte dazu, dass inzwischen schon drei Fortsetzungen abgedreht wurden. In ihrer Erzählstruktur und visuellen Umsetzung heben sich die Trashfilme stark ab von Filmen, die wir aus dem Fernsehen oder aus dem Mainstream-Kino kennen. Hollywood-Filme gelten bei Fans der Trash-Ästhetik als berechenbar und langweilig.

"Wir haben es hier mit Geschichten zu tun, die sind so haarsträubend, das kann man schon gar nicht mehr glauben. Bei Sharknado ist das absichtlich gemacht, bei anderen Filmen ist das der Unfähigkeit der "kreativen Köpfe" hinter dem Film geschuldet. Aber vielleicht macht das diese Filme gerade charmant."

90 Prozent der Teilnehmer an der Studie von Keyvan Sarkhosh waren Männer. Bei ähnlichen Untersuchungen sind es eher Frauen, die freiwillig teilnehmen wollen. Daraus leitete Filmwissenschaftler Keyvan ab, dass die Filme eher von Männern konsumiert werden. Das liegt nahe, da Trashfilme auch gerne mal exzessive Gewalt- oder Sexdarstellungen zeigen.

Ein hohes "kulturelles Kapital" bescheinigt der Filmwissenschaftler den Befragten. Drei Viertel der Studienteilnehmer haben entweder Abitur oder einen Hochschulabschluss und zeigen ein breites Interesse an audiovisuellen Formaten: von Musikvideos, über Kunstfilme, Arthouse-Kino bis hin zu Mainstream-Filmen.

Keyvan Sarkhosh stellte auch fest, dass die Trashfilm-Fans die Werke regelmäßig, gezielt und sehr bewusst konsumieren und sich in Filmforen zum Teil auf einem analytischen und filmwissenschaftlichen Niveau darüber austauschen.

"Es ist bezeichnend, dass unter Leuten, denen man einen raffinierteren Geschmack zuschreiben würde, so ein ausgeprägtes Interesse an Trashfilmen existiert."

Einen Film, den Keyvan Sarkosh gerne geschaut hat und auch Trashfilm-Anfängern empfiehlt, ist der Kinostreifen "Rabbits" von 1972. Hier mutieren Kaninchen zu menschenfressenden Bestien. Mit Janet Leigh, der Hauptdarstellerin aus dem Hitchcock-Klassiker "Psycho", konnte der Regisseur eine Ikone des amerikanischen Films verpflichten. Kaninchen als Monster darzustellen, amüsiert den Filmwissenschaftler Keyvan, weil er findet, dass sie trotz Verfremdung und Spezialeffekten niedlich anzusehen sind. Ein unglaublich charmanter Film, obwohl er einfach nur peinlich ist, findet er.

Filmtrailer: Sharknado 4

Mehr zum Thema Film auf DRadio Wissen