Wie treu man ist, liegt auch an den Genen. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu. Überrascht hat uns aber, dass Mäuse, die eine schlechtere Orientierung haben, auch häufiger fremd gehen. Also die Männchen...

Forscher in den USA haben sich das Verhalten von Präriewühlmäusen genau angeschaut. Die sind nämlich eigentlich treu und leben häufig als Paar. Manche Mäuseriche gehen aber fremd. Deshalb haben die Forscher zuerst einmal die Gene der treuen und untreuen Mäuse verglichen. Dabei haben sie festgestellt, dass die Fremdgeher ein bestimmtes Gen haben, das weniger aktiv ist als bei den treuen Mäuserichen. Und dieses sorgt für weniger oder mehr Aktivität in einer bestimmten Hirnregion und zwar dort wo das räumliche Lernen sitzt.

Treue oder Seitensprung?

Der Unterschied, ob die Mäuse bei ihrem Weibchen bleiben, oder in die Welt hinaus ziehen und sich mit vielen anderen Mäusedamen paaren, liegt im Gehirn. Genau gesagt im retrospleniale Cortex - das ist ein Teil der Großhirnrinde, der für unsere räumliche Orientierung verantwortlich ist. Dort kann man bei den treuen Mäusen erkennen, dass die Aktivität in diesem Bereich höher ist; die Mäuse sich also besser merken, wo ihr eigenes Revier aufhört und das anderer Mäuseriche anfängt. Bei den Fremdgehern ist das anders. Die schauen sich auch schon mal gerne in fremden Gebieten um, was auch bedeutet, dass die dort auf andere Weibchen treffen.

"Dann heißt das Motto offenbar: Gelegenheit macht Diebe."
Tina Kießling (Dradio Wissen) über Präriewühlmäuse die fremdgehen

Laut der Wissenschaftler kommt eine Kette von Ereignissen zusammen: Genaktivität im Hirn, räumliches Lernen und Treue versus Untreue. Es wäre also verkürzt zu behaupten, dass ein bestimmtes Gen für Seitensprünge verantwortlich sei. Außerdem macht das Fremdgehen auch Sinn. Die Forscher vermuten, dass in sehr dicht besiedelten Gebieten, wo also die Konkurrenz größer ist, das Fremdgehen verbreiteter sind. Damit erhöhen sie die Möglichkeiten, sich zu paaren. In Gebieten, wo die Konkurrenz nicht so groß ist, ist es eher okay, einen auf Pärchen zu machen. Damit könnte man auch erklären, dass sich beide Verhaltensweisen parallel über die Jahre hinweg gehalten haben.