430 Tage und eine Strecke von insgesamt 120 Ironmen: 450 Kilometer Schwimmen, 21.000 Kilometer Radfahren, 5.060 Kilometer Laufen. Jonas Deichmann hat geschafft, was vor ihm noch keinem gelungen ist: ein Triathlon um die Welt.

Jonas Deichmann, 34 Jahre alt, Jahrgang 1987, ist Abenteurer, Athlet und Vortragsredner. Bis 2018 arbeitete er als Sales-Manager bei einer schwedischen IT-Firma. Doch dann änderte er sein Leben radikal. Seitdem jagt er Langstrecken-Rekorden: Er fuhr mit dem Fahrrad in 64 Tagen von Portugal nach Wladiwostok, 2019 schaffte er es in 72 Tagen vom Nordkap bis zum Kap der Guten Hoffnung. Und jetzt - als erster Mensch der Welt - der Triathlon um die Welt.

Unglaubliche Distanzen

450 Kilometer Schwimmen, 21.000 Kilometer Radfahren, 5.060 Kilometer Laufen. Und das alles direkt nacheinander, ohne große Pausen, jeden Tag immer weiter und weiter. 2020 ist Jonas Deichmann in München gestartet, 14 Monate später - am 29.11.2021 (unser Bild oben) - wieder in München angekommen. Über das bis jetzt wahrscheinlich größte Abenteuer seines Lebens hat er mit uns gesprochen.

"Das Schwimmen war das Härteste für mich. Mein Hintergrund war vorher das Seepferdchen."
Jonas Deichmann, Extremsportler

Fahrradrekorde hatte Jonas schon vor seiner anstrengenden Weltreise für sich verbuchen können. Auch ein guter Läufer war er. Die größte Herausforderung sei auf jeden Fall das Schwimmen gewesen, hat er uns erzählt. Als Test war er vorher durch den Bodensee geschwommen. Süßwasser ist aber etwas anderes als das Salzwasser der Adria: Dieses war deutlich krasser und hat seine Haut kaputtgemacht. Auch sein Mund war entzündet und er konnte nach dem Schwimmen eine gewisse Zeit nur noch Wasser trinken.

Krasse Kontraste

Unter der brennenden Sonne Mexikos, aber auch durch das bis zu minus 40 Grad kalte Sibirien bis nach Nowosibirsk: Die Herausforderungen an Mensch und Material waren immens bei Jonas Weltreise.

Und Jonas hat alles alleine gemacht, erzählt er uns: Beim Schwimmen hat er ein Floß hinter sich hergezogen samt Schlafsack und Notfallbiwak. Für ein warmes Zelt war kein Platz. Abends ist er dann in den Häfen ans Ufer geschwommen. Als er im Neopren-Anzug mit Biwak unter dem Arm in die Supermärkte reinging, habe es durchaus interessierte Blicke gegeben.

"Es hilft ja nichts: Wenn ich einmal ein Projekt begonnen habe, ist Aufgeben keine Option."
Jonas Deichmann, Extremsportler

In Russland hatte er eine Expeditionsausrüstung für den Winter dabei, samt Daunenschlafsack und Daunenjacke. Sonst wären die krassen Schneestürme nicht auszuhalten gewesen. Eigentlich war Russland zum Fahrradfahren aber gar nicht vorgesehen – doch die Corona-bedingten Grenzschließungen machten die ursprüngliche Route zunichte.

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Eigentlich wollte Jonas durch die USA laufen, das ging aber wegen der Pandemie nicht – so wurde es Mexiko.

Corona ändert die Route

Als er an der Grenzmauer von Tijuana loslief, kannte ihn noch niemand, erzählt uns Jonas. Doch innerhalb seiner Laufwochen wurde er zum mexikanischen Medienstar. Der "Forest Gump aleman" bekam immer mehr Begleitung und war nie mehr alleine.

"Mir geht es bei dem Ganzen nicht um den Rekord, sondern um die Erlebnisse. Die kleinen Dinge, von denen ich erzählen kann, wenn ich alt bin."
Jonas Deichmann, Extremsportler

Menschen liefen Teilstrecken mit, Mariachis sangen ihm Motivationsständchen, Jonas war bekannt wie ein bunter Hund. Und bekam treue Begleitung von einer Hündin. Eine Straßenhündin folgte ihm 130 Kilometer. Sie übernachtete vor seinem Zelt und wich ihm nicht mehr von der Seite. Im Fernsehen suchte er am Ende seines Laufs eine Person, die die Hündin adoptiert. Inzwischen sei sie Mexikos berühmteste Hündin, erzählt Jonas.

Der "Forest Gump aleman"

Jonas lief auch durch ein sehr gefährliches Gebiet. Doch sein Ruf war ihm vorausgeeilt: Zwei Motorradfahrer des lokalen Drogenkartells hielten ihn an, machten Späße und schossen ein Selfie mit ihm, erzählt er uns. "Wir folgen dir bei Instagram. Wir beschützen dich hier, mach dir keine Sorgen."

Extremsportler Jonas Deichmann läuft in Mexiko und wird von einer Frau begleitet
© IMAGO / Agencia EFE
Jonas in Mexiko - selten ohne Begleitung

Jonas Ziel, sagt er: "Immer ankommen." Als er nach der Reise seines Lebens wieder zuhause in Stuttgart war, war vor allem eine Freude groß: "Endlich wieder Käsespätzle und Maultaschen essen."